Lehrstoff und Studienaufbau



Das Prinzip meiner Methode ist es, zu wissen, wo die ‘Hebel’ sind: was bestimmt die Echtheit, die Stimmigkeit und die Wirkung des Spielvorgangs? Dies, um dem Schauspieler zu sagen, was er tun soll, nicht, was er nicht tun soll.” – David Esrig

Mit der bewussten Verknüpfung von Ausbildung und Produktion, wird das Studium der professionellen Theater- und Filmarbeit angeglichen.
Der Lehrstoff der 4 Ausbildungsjahre ist in folgende 9 Grundkategorien eingeteilt:

  1. Spiel / Darstellung
  2. Dramatischer Raum (Bühne, Leinwand und Bildschirm)
  3. Sprache
  4. Körper
  5. Rhythmus und Klang
  6.  Schauspielen
  7. Inszenieren
  8. Ästhetik von Theater und Film
  9. Arbeitsmarktstrukturen

Jede der Kategorien vernetzt künstlerische, technische und theoretische Fächer.

 


 1. Spiel/Darstellung

Am Anfang von Darstellung und Regie steht das leidenschaftliche Spiel: die Kunst, Spielfreude zu wecken und der spielerische Umgang mit Regeln. Daher ist am Anfang der Ausbildung das Spiel im Mittelpunk: Zwänge, Absichten, Taten. Ziel des Unterrichts ist es, den aufmerksamen Umgang mit inneren und äußeren Realitäten zu entwickeln.

Fächer: Monolog-, Szenen- und Schauspielunterricht, Improvisation, Sensibilisierung, Performance, Maske und Kostüm.


2. Dramatischer Raum  

Bühne, Leinwand und Bildschirm sind die Schauplätze, wo die Auseinandersetzungen zwischen einer Figur und ihrer Welt spürbar gemacht werden. Die Schauspielstudierenden lernen den Spielraum zu besetzen, die Regiestudierenden erlernen die Gestaltung des Raumes als Ort, wo die Handlung zur ihrer Bedeutung kommt. Für das Definieren und Identifizieren des Raumes wird der Umgang mit Technik erlernt.

Fächer: Kamera-, Mikrofon-, Bühnen-, Licht- und Studiotechnik, Stage- und Lightdesign, Geschichte der bildenden Kunst und des Bühnenbildes

Wir wollen auf der Bühne die Dinge nicht mehr so sehen, wie wir wissen, dass sie sind, sondern so, wie wir sie empfinden.“Adolphe Appia


3. Sprache

Sprechen auf der Bühne und vor der Kamera heißt, kommunizieren, nicht bloß Informationen liefern. Wir legen Wert auf eine gute Aussprache (Bühnen-Hochdeutsch), aber parallel dazu erarbeiten wir auch Darbietungen in verschiedenen Mundarten, überwiegend in Bayerisch. Die Studierenden lernen zusätzlich zu technischen Fertigkeiten, die Sprache in ihrer poetischen Qualität zu erschließen und als dramatischen Spiegel menschlicher Existenz zu begreifen.

Fächer: Atmen und Stimme, Sprechen und Aussprache, Lesen, Gesang und Sensibilisierung


4. Körper

Der Körper ist der Tatort des inneren Lebens der Figur. Der körperliche Ausdruck kann den verbalen Ausdruck vertiefen, ergänzen, verschönern, denunzieren und ihm widersprechen. Ein ausdrucksloser, „stummer“ Körper degradiert den hörbar gesprochenen Text zu bloßem Geplapper. Mit dem Körper betritt eine ganze Welt die Bühne. Gelehrt werden Ausdauer, Elastizität, Präzision und Steuerbarkeit des Körpers, Körpersprache, Gesten und Haltungen. Ziel ist die Vermittlung der Intensität und Verführungskraft körperlichen Ausdrucks.

Fächer: Tanz und Tanztheater, Sensibilisierung, Biomechanik, Kondition, Akrobatik, Performance, Fechten, Mime Corporale

„Mich interessiert weniger, wie sich Menschen bewegen, als was sie bewegt.“ Pina Bausch


5. Rhythmus & Klang

Rhythmus und Klang bestimmen den hörbaren Ort der Emotion. Stimmliche, musikalische und tänzerische Sensibilisierung entwickeln ein Rhythmus- und Klanggefühl, das die unterbewusste Erlebnisebene der Handlung erfahrbar macht.

Fächer: Singen, Musikgeschichte, Rhythmik, historische und moderne Tanzformen.


6. Schauspiel

Die Mittel der anderen Grundkategorien werden hier praktisch angewendet. Der Unterricht umfasst die innere Technik des Erlebens wie auch die äußere der Verkörperung und reicht von Improvisationen und kurzen Szenen bis zu komplexen Aufgaben des Rollenspiels, die auf der Bühne und vor der Kamera erarbeitet werden. Lernziel ist die Fähigkeit, ein Repertoire selbständig zu erarbeiten und auszuformen, und einen innerlichen Film (bei Stanislawski „Subtext“ genannt), der die Impulse und die stilistische Eigenart der sichtbaren Handlungen bestimmt, aktiv aufzubauen.

Methodische Vorgänge: Textanalyse, Analyse in Aktion, Handlungsanalyse (Handlungsbögen erkennen und die Dekonstruktion der Handlungen)


7. Inszenieren/Regie

Zentral ist die Fähigkeit, die existenziellen Themen des zu erarbeitenden Stoffes zu entdecken und sie für sich zu definieren. Erfolgsbedingung ist die Arbeit mit dem Schauspieler und dessen Motivierung zu einer erlebten und erfahrbaren Form des Spielens. Angestrebt ist die Umsetzung der Werke in spielbare Handlungen. Dieser Umsetzung dient das Erkennen der Handlungsbögen auf der Grundlage von Absichten und Motivationen der Protagonisten. Die Gestaltung von Aktion und Gegenaktion, von Konflikten und Übereinstimmungen, bestimmt die Überzeugungskraft der Aufführung und das durchgehende Interesse des Zuschauers. Ziel ist das Erkennen der Möglichkeiten und die Umsetzung einer eigenständigen künstlerischen Gesamtkonzeption.

Fächer: Regie (Theater und Film), Theorie der Regiekunst, Textanalyse, Spiel- und  Regiepraxis, Improvisation, Ensemblearbeit
Methodische Vorgänge: Spiel- und Aktionsgestaltung, Regiepraxis, Planung und Organisation der Ensemblearbeit (von den Proben bis zur letzten Vorstellung), Gestaltung des sichtbaren und hörbaren Raumes der Aufführung

„Knowing how to play instruments is fine, but knowing how to make music only belongs to the truly great.“ John Cage


8. Theaterästhetik

In dieser Unterrichtskategorie werden Theater und Film theoretisch fundiert. Es stehen Fragen nach Bedeutung und Aufgabe der Kunst in der existenziellen Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist zur Diskussion. Die in der praktischen Erfahrung erworbenen künstlerischen Denk- und Arbeitsweisen werden vor dem Hintergrund der Kunstgeschichte überprüft. Stil – als Organisation verschiedener Ausdrucksmittel zum kohärenten System – wird in Übungen sowie durch Film-, Theater- und Kunstanalysen erprobt. Ziel ist die Entwicklung eines individuellen Stils, des existenziellen Ausdrucks einer eigenen Weltsicht.

Fächer: Theatergeschichte, Kunstgeschichte, Musikgeschichte, Dramenkunde, Film- und Medientheorie, Ästhetik, Stilkunde, Symbolik.

„Möge jeder, der dies wünscht, sich meine Filme wie einen Spiegel anschauen, in dem er sich selber erblickt“ Andrej Tarkowskij


9. Management

Mit dem Ziel, auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen und sich auch außerhalb der schon etablierten Felder von Bühne und Film durchzusetzen, sowie seine künstlerischen Ideen in eigenen Produktionen entwickeln zu können, werden die Studierenden in organisatorische, ökonomische und juristische Zusammenhänge eingeführt sowie zudem in Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit geschult.

Fächer: Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit, Theater- und Filmrecht, Praktika, Marketing Grundlagen (Vermarktung von Person und Werk) Management Grundlagen (Projekt- und Kulturmanagement)