Presse

Prof. Dr. David Esrig

“Doktor Faustus” – Neue Zürcher Zeitung

Ungemein stark wirkt Esrigs Inszenierung, und glaubhaft wird, was zunächst als Marotte eines Regisseurs hätte ausgelegt werden können: Theater in die Kirche zu verlegen. Das alles ist großartig, so durchdacht wie präzise abgestimmt. • 10.12.1980 •  K.S.

“Mephisto predigt von der Kanzel” – Basler Zeitung

Nicht im Berner Stadttheater, sondern in der Französischen Kirche inszenierte David Esrig den “Faust” des Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe, Theater und Kirche geben hier einer sinnbildenden Auseinandersetzung über “Gut” und “Böse” den geeigneten Raum. Vorn/hinten, oben/unten, innen/außen – einfach, aber genial sind die Mittel, diese Unterscheidungen dem Raum aufzuerlegen. Um welchen Raum handelt es sich schließlich? Um das Studierzimmer, worin sich Faust allein befindet? Esrig deutet an, dass Faust nur äußerlich Einer (und Eins) ist, innerlich aber Viele (und Vieles). Die Vielfalt wird durch die räumliche Konzeption von innen nach außen gelegt, denn der eigentliche Raum ist die Seele. Und die Seele ist ein All; sie enthält das Kleinste und Größte. In diesem All der Seele handelt die Geschichte von Doktor Faustus, der um die Seele des Alls Bescheid wissen will….

“Perpetuum Molière” – Basler Zeitung

Esrig griff zum Kniff, den nur der brauchen darf, der kann: der Virtuose mithin … Dies führt zur erstaunlicher Kunst dieser Premiere: Die Präzision, mit der einzelne Gesten, Handlungsabläufe, Aktionsfragmente und choreographische Moleküle reproduziert wurden. Esrig erweist sich als starkes Regietalent im nichtrealistischen Feld, als Kenner, Erprober und Spieler im Kunstraum, mit Einfällen, die aucheiskalt,vonziselierterBrutalitätseinkönnen.IchfandmeinLachennichtimmerzumLachen. • 19. 09. 1979 • Jürg Laederach

Butterfly und ihr Schatten- Münchner Merkur

Esrig zielt auch hier, wie schon bei seinen Residenztheater – Inszenierungen “Troilus” und Molières “Scapin”, trotz die Widerstände, die diese pseudorealis- tische Oper leistet, auf ein strukturiertes Theater, das die Illusion zwar andeutet, sie zugleich aber auch zerstört. Er arbeitet ein System von Zeichen aus, geläufige Bewegungen werden dabei überlagert von strukturierten Zeichen, die zu einer Verschlüsselung führen, zu einem über das Zufällige und Einzelne hinausführenden magischen Bezug. • Weihnachten 1977 • Helmut Schmidt-Garre

“David Esrig inszeniert Molière” – TZ München

“Schade, daß es um ist”. Seufzer des Bedauerns im Jubel um Molières “Streiche des Scapin” im Cuvilliéstheater. David Esrig ist nun gewiß ein Publikums-Knüller erster Ordnung gelungen. • 08.06.1976 • Maurus Pacher

“Krieg als Komödie”- Theater Heute

Schillers Vers: “Doch Patroklus ist gestorben und Thersites kehrt zurück” wurde von einem souveränen Regisseur souverän umgekehrt. So wuchs ein Anti-Kriegsstück, das vorhersehbar und langweilig-parodistisch angelegt schien, weit über seine vermeintlichen Voraussetzungen hinaus zum großen, rätselvollen Shakespeareschen Enthüllungsdrama. Die Interpretations-Freiheit, mit der gute Schauspieler in sehr gute verwandelt wurden, die Mischung aus Zirkus und Verzweiflung, Tempo und Aggressivität, tiefem Spott und herber Erschütterung, ermöglichte auch ein deutsches Theaterereignis. • September 1972 •  Joachim Kaiser

“Rumäniens junge Theateravantgarde” – Theater Heute

Esrigs Einfall ist atemraubend. Er läßt Rameau, den schmarotzenden Rabulistiker, mit einer Spiegelwand, mit seinem Spiegelbild also um die Wette tanzen… Die Bühne ist überall abgeschlossen, doch von Spiegeln, die sich mit eins öffnen, den Durchgang freigeben, ein Bild aus der unsichtbaren, nächtlichen Rückseite … Was für eine intelligente Antwort auf die moderneHerausforderung,mittels der Bühne mehr zu sagen,als die Worte mitteilen.  • September 1969 •Georges Schlocker

La Roumanie D`Aujourd`Hui

“Ich habe, um ehrlich zu sein, nicht erwartet, daß von den 34 Inszenierungen, die ich seit meiner Ankunft in Europa gesehen habe, diejenige in Bukarest – Rameaus Neffe – die faszinierendste, originellste und gewagteste wäre. Keiner der derzeitigen großen Regisseure, ja nicht einmal ein Peter Brook oder auch ein Jerzy Grotowski, haben bis heute das gewagt, was der Rumäne David Esrig gewagt hat, – und mit was für einem Erfolg! – nämlich einem langen und statischen philosophischen Gespräch eine so schwindelerregende Dynamik zu verleihen, eine Dynamik, die an manchen Stellen sogar den Rausch und die Raserei streift.” Roger Sullivan • Studios in New York • Nr.9.1969 •

“Wunder aus Rumänien” – Bonn

Der rumänische Regisseur David Eirig bei einer Probe zur Märdienkomödie „Der Schatten” von Jewgenij Schwarz. Von links nach rechts: Hont Fasset, Karin Schroeder, Hans Schäffer, David Esrig und P. Bertram. Bonn — Fast vier Stunden dauerte die erste Schauspiel Premiere der neuen Spielzeit im Theater der Stadt Bonn — und nicht eine Minute durfte sie kürzer sein. Was der Gast Regisseur aus Bukarest, David Esrig, aus der satirischen Märchenkomödie für Erwachsene “Der Schatten” von Jewgenij Schwarz gemacht hat, ist in doppelter Hinsicht sehenswert. Bietet seine Auslegung schon Diskussionsstoff genug, das Schauspielensemble scheint wie verwandelt. Mit der Einladung des Rumänen hat Generalintendant Pempelfort dem Bonner Theater eine Sternstunde geschenkt. Daß dennoch viele der älteren Premierenbesucher nach der faszinierenden Aufführung fluchtartig das Haus verließen — dafür kann es nur einen Grund geben: Sie wollten dieses Märchen nicht hören. Vielleicht liegt gerade darin das Verdienst…

“Die Rumänen vor Troja” – Frankfurter Allgemiene

So hat uns auch ein Theater von der Peripherie Europas gezeigt, was modernes Spiel, was die schönste Freiheit des Theaters ist, nämlich – spontane und totale Beweglichkeit, Lust am Elan, Humor, der noch eine scharfe und wilde Persiflage zu einem geistigen Vergnügen macht. Der junge Regisseur der Inszenierung – groß geschrieben sein Name für die Zukunft: DAVID ESRIG… • 31.10.1966 • Günther Rühle

NEUE ZEIT – Die Farce vom trojanischen Krieg

Theater des Temperamentes und der Originalität — wie das Buka­rester Theater der Komödie „Troilus und Cressida” spielt, so sahen wir Shakespeare noch nicht interpretiert, so unbekümmert von allen Traditio­nen und Kunstregeln, die ein erz­komödiantischer Geist für nichts er­achtet und dabei doch (oder gerade dadurch?) exakt und zielsicher des Stückes gedankliches Zentrum trifft. Es ist freilich „Troilus und Cres­sida” schon ein Stück, das solchem Uebermut ebenso gewogen ist, wie es solcher Geistesschärfe bedarf. Ein eigenartiges Stück, „weder Lustspiel noch Trauerspiel im gewöhnlichen Sinne”, wie Heine schrieb und es unter die Tragödien zählte mit der Begründung: „Es herrscht darin eine jauchzende Bitterkeit, eine weltver- höhnende Ironie, wie sie uns nie in den Spielen der komischen Muse be­gegnete. Es ist weit eher die tragische Göttin, welche überall in diesem Stücke sichtbar wird, nur…

The Times: Rumanian Stage’s Exciting Way with Familiar Plays

This is the first of several articles written by our New York Drama Critic during a recent visit to study the theatre in East Europe and Israel. Life abounds in the Rumanian theatre. Any observer must look forward to its new work with interest, but there can be no doubt that the most exciting new events in the Rumanian theatre are new productions, not new plays. The best productions are good enough to make this statement an endorsement of Rumanian theatrical activity, not a re­buke. The west has already seen David Esrig’s Troilus and Cressida (in which Patroclus is a waspish homosexual), at the Theatre du Nations in Paris; it ought also to have a. look at Liviu Ciulci’s production of Brecht’s Threepenny Opera. To begin with, Mr. Ciulei has gone…