Die Architektur der Ausbildung baut auf drei Pfeilern auf.
1. Der künstlerische Ausdruck
Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die Vermittlung von Mut und Vermögen zu einer künstlerischen Sicht-, Denk- und Handlungsweise. Die ästhetische Sensibilität, die künstlerische Begabung des Einzelnen sollen geweckt, entwickelt und bewaffnet werden. Neben der intensiven Herausforderung des Empfindungs- und Vorstellungsvermögens bedarf dies eines umfassenden gestalterischen Know-hows. Besondere Sorgfalt gilt der handwerklich-technischen Kenntnissen und Fertigkeiten, gestalterisches Können wird medienspezifisch erworben: Die Eigenart des Film- und Theaterausdrucks erschließt sich u.a. in der Gegenüberstellung, in der Erarbeitung ein und desselben dramatischen Stoffes parallel für Kamera und Bühne. Eine solche Aubsildung entspricht den aktuellen Tendenzen sowohl im Theate - als auch im Medienbereich und bereitet auf die zukünftigen Anforderungen an alle Formen der dramatischen Kunst vor.
Im Unterschied zu den technisch orientierten Studien von Filmhochschulen steht hier das Künstlerische im Vordergrund. Für die Regiestudierenden muss daher betont werden, dass sie nicht zu reinen Technikern oder Theoretikern, sondern zu Künstlern der Regie ausgebildet werden. Stil der Darstellung und Inszenierung ist ein durchgängiges Thema an der Athanor-Akademie. Die praktische Auseinandersetzung mit historischen und zeitgenössischen Darstellungsformen bildet jene Stilsicherheit aus, die Voraussetzung ist für einen persönlichen Ausdruck in der Kunst.



2. Lernen unter Produktionsbedingungen
Für Schauspiel und Regie als öffentliche Kunst trägt Aufführungserfahrung entscheidend zur Wirksamkeit bei. Der Umgang mit Publikum ist daher Teil des Unterrichts. Theater- und Filmübungen, Produktionen und Prüfungsarbeiten werden nicht nur intern, sondern auch vor Publikum gezeigt. Offene Proben u. Drehtage vertiefen die Rückmeldung über die eigene Arbeit.
Der Vorbereitung auf die Praxis dienen auch Kenntnisse in Dramaturgie, Ausstattung, Bühnen- u. Studiotechnik, wie in Theater-/Filmrecht und -organisation. Kompetenz in diesen Bereichen fördert die Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit und bildet eine wichtige Voraussetzung für die Lebensfähigkeit des Künstlers. Technische und organisatorische Praktika während der Aufführungsserien in den Spiel-Hallen runden den Praxisbezug ab.
Die wesentliche Vorbereitung auf die praktische Arbeit aber findet im Unterricht selbst statt.
Die Dozenten-Lehrstunden werden von selbständigen Proben der Regie- und Schauspielstudierenden 8 Semester lang vertieft. Diese Zusammenarbeit bildet die Keimzelle künstlerisch professioneller Arbeitsweise. Die Regie erprobt sich in Motivation und Leitung der Schauspieler/innen. Diese entdecken ihre persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten innerhalb eines Regiekonzeptes.
Indem der Übergang von Lernen und Experimentieren zu professioneller Tätigkeit und die gegenseitige Angleichung schon während der Ausbildung schrittweise vollzogen wird, kann der freie persönliche Impuls bei wachsender Professionalität bewahrt und gefördert und die so oft nach dem Studium entstehende Alternative "Kreativität oder Routine" durchbrochen werden.

3. Theoretische Fundierung der Darstellungspraxis
Theoretische Grundlagen geben Mittel an die Hand, um sich im gegenwärtigen Kunstdiskurs orientieren und behaupten zu können. Da die theoretischen Fächer auf den szenischen/filmischen Unterricht hin angelegt sind, werden sie für die eigene künstlerische Arbeit fruchtbar.
Und dies nicht nur, indem sie die Sicht- und Denkweise des Künstlers fundieren und erweitern, sondern auch, indem sie herrschende, verinnerlichte Klischees umstürzen und so die Legitimation einer neuen, persönlichen Betrachtung der darstellerischen Arbeit bieten.
In jeder Unterrichtsphase wird das methodische Element herausgearbeitet und erprobt. Denn paradoxerweise ist es gerade das Methodische, das die Inspiration "hervorlockt", konkretisiert und formt. Dieser methodenorientierte Unterricht ermöglicht es Studierenden höherer Semester, selbst Übungen zu leiten. Im Rahmen eines Tutorensystems lassen sich damit bereits im Studium pädagogische Erfahrungen sammeln, die auch eine spätere professionelle Lehrtätigkeit vorbereiten können.
Ziel der so strukturierten Ausbildung an der Athanor Akademie ist der mündige Schauspieler und Regisseur, der Mut, Kraft und fundiertes Realisierungsvermögen in der Umsetzung seiner künstlerischen Vision aufbringt.
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