Wechselbad zwischen Absurdität und Komik
Becketts Endspiel: Gelungene Premiere von Athanor-Studentin Nora-Alice Horlacher
Burghausen. Es ist schon etwas Besonderes, wenn sich drei junge Frauen an ein absurdes Endzeit-Stück wie Samuel Becketts “Endspiel” heranwagen. Es war die Abschlussinszenierung der Athanor-Regie-Studentin Nora-Alice Horlacher. Die beiden Rollen des blinden, an den Rollstuhl gefesselten Hamm und seines langjährigen humpelnden Dieners Clov hat sie mit den Athanor-Absolventinnen Eveline Makrai und Andrea Reinbacher besetzt.
Horlacher hat das bittere Stück mit einigen witzigen Details gewürzt. Genial ist der Einsatz der Drehbühne, die einerseits den Darstellerinnen mehr Bewegungsfreiheit erlaubt und andererseits die Perspektive des Zuschauers immer wieder verändert. Die Eltern Hamms, die im Original als beinlose Krüppel dahinvegetieren, hat sie kurzerhand in zwei Urnen versetzt. Clov unterhält sich mit der Asche der Eltern und bestätigt seinem Herrn, dass sein Vater womöglich noch nicht ganz tot ist, was die Absurdität an seine Grenzen bringt.
Andrea Reinbacher beschränkt sich in ihrer Darstellung des Clov nicht auf das Morbide allein. Sie nützt ihr komisches Talent, um der Sackgasse des Existenzialismus zu entkommen. Aus der Situationskomik, die bei Clovs ungeeigneten Selbstmordversuchen entsteht, steigt Lebenssinn auf wie Phönix aus der Asche.
Eveline Makrai übernimmt den Gegenpart des starrköpfigen, halbtoten Hamm und beeindruckt darin von Anfang an in scheußlicher Maske und bösartiger Mimik. Auch in ihrer Darstellung finden sich Momente der Hoffnung und des Lebens, denn die Furcht, von Clov verlassen zu werden, ist so groß, dass ihre hässliche Schale aufbricht und ein Stück Menschlichkeit zum Vorschein kommt.
Die Inszenierung ist gerade deshalb so bemerkenswert, weil es den Satz “Die Natur hat uns vergessen” ad absurdum führt. Es wurde von jungen Menschen inszeniert, die ihm durch ihre bloße Präsenz Leben einhauchen, von jungen Künstlerinnen, die glücklicherweise noch jede Menge Zukunft vor sich haben.
(c) PNP 18. Mai 2012
“Endspiel” in der Freundlhalle
Athanor zeigt Drama des irischen Nobelpreisträgers Samuel Beckett
Burghausen. ”Becketts Stücke haben die Eigenart von Panzerwagen und Idioten” meinte der berühmte englische Regisseur Peter Brook . “Man kann sie beschießen, man kann sie mit Cremetorten bewerfen − sie setzen ihren Weg gelassen fort.” Am Freitag, 11. Mai, 20 Uhr zeigt die Theaterakademie Athanor das Einakter-Drama “Endspiel”.
In einem möbellosen, trüben Raum befinden sich Hamm, ein blinder, gelähmter Alter, der nicht stehen kann in einem Sessel mit einem übers Gesicht gebreiteten Taschentuch und Clov, sein Diener, der nicht sitzen kann, aus dem Fenster starrt und seinem Herrn von einer Welt berichtet, in der nichts mehr ist, nur Ödnis und Leere. Diese beiden Endzeit-Figuren sind unauflöslich aneinander gekettet, unfähig, noch irgend etwas an der Situation der Außenwelt oder an ihrer Beziehung zueinander zu verändern.
Die Uraufführung fand am 3. April 1957 in London statt. Die deutsche Premiere am Schlossparktheater in Berlin am 30. September 1957 wurde nach acht Vorstellungen abgesetzt. Erst Becketts eigene Inszenierung zehn Jahre später am Schiller-Theater in Berlin brachte es auf 150 Vorstellungen.
In Burghausen spielen Eveline Makrai und Andrea Reinbacher, Regie führt Nora Horlacher. Premiere: Freitag 11. Mai um 20 Uhr. Weitere Aufführungen: 12., 13., 17., 18., 19. und 20. Mai, jeweils um 20 Uhr im Theater in der Freundlhalle, Tittmoningerstr. 17.
Kartenreservierung unter
08677/911154 (auch AB) oder unter info@athanor.de. Vorverkauf: Bürgerhaus und Tourist Info.
PNP 8. Mai 2012
Vierter Doktortitel für Prof. David Esrig
Für seinen “erheblichen Beitrag in der Kunst der Erziehung und Ausbildung von jungen Künstlergenerationen und seine hochwertigen Verdienste für das rumänische Theater und das Welttheater” hat die Universität für Musik, Theater und Bildende Künste Chisinau, Moldawien, Professor David Esrig die Ehrendoktorwürde verliehen. Nach Auszeichnungen der Hochschulen München, Bukarest und Jasy, Rumänien, ist dies bereits der vierte Doktortitel, der dem in Burghausen lebenden Leiter der Theaterakademie Athanor zuteil wurde.
Die Feierstunde war Bestandteil eines internationalen Theaterfestivals, an dem auch der 4. Jahrgang der Burghauser Akademie mit der Aufführung des Stücks “Der Beweis des Gegenteils” teilnahm. Bei dem Festival wurde eine Auswahl der besten Produktionen von Studenten aus Rumänien, Deutschland, Moldawien, Polen, Russland und der Ukraine gezeigt. Von der Burghauser Akademie dabei waren Carmen Jahrstorfer, Laurence Schnyder, Bernhard Schnepf und Laura Becker, Regisseur Simon Libuschewski und Tobias Frühmorgen.
Die angehenden Schauspieler der Burghauser Akademie stehen noch ganz im Bann dieser internationalen Begegnung und der Herzlichkeit, die ihnen von allen Seiten entgegenschlug. Auch mit dem Erfolg ihrer eigenen Darbietung sind sie zufrieden. Sie spielten in Deutsch, doch auf der Leinwand erschien zwischen den Szenen eine Zusammenfassung in Übersetzung. “Es war die Aufführung, bei der am meisten gelacht wurde; wir spielen sehr abstrakt, diese Art von Theater hat man nicht gekannt”, erinnert sich Carmen Jahrstorfer, und Bernhard Schnepf fügt hinzu: “Die Leute waren erstaunt von der Präzision und dem sauberen Spiel. Es ist Esrigs Geist, der hier mitschwingt.” Die Athanor Studenten glauben, dass sie die beste Aufführung von allen geboten haben. Und das vor einem 300köpfigen interessierten und begeisterten Publikum. ”Auch das ist eine Erfahrung. So viele Leute haben wir in Burghausen nicht”, so Laurence Schnyder.
Eindruck machte nicht die von einem 50köpfigen Männerchor umrahmte Verleihung der Ehrendoktorwürde an ihren Professor, der dabei eine Rede hielt. ”Es ist gigantisch, welche Wirkung er auf Menschen hat, das grenzt an Verehrung”, kann Bernhard Schnepf berichten. Esrig gab auch einen Workshop im Rahmen des Festivals.
Die Burghauser Athanor-Schüler und Esrig-Studenten durften sich in einer privilegierten Situation fühlen. ”Wir haben mit Ungarn gesprochen. Sie hatten einen richtigen Heißhunger auf Esrigs Methodik und wollten von uns alles wissen”.
Die Popularität des Theatermanns gerade im rumänischen Sprachraum ist für Esrig nichts Neues. Dies hat auch mit seiner Rolle während des Ceaucescu-Regimes und seiner Passion zu tun, mit Mitteln raffiniert inszenierter Literatur für Recht und Freiheit einzutreten. Seit den 60er Jahren genießt er auch in der westlichen Theaterwelt hohe Popularität. ”Ich habe das Eis gebrochen in Richtung Westen”, erzählt er und v erweist auf das erste Gastspiel eines Ostblocklandes in der Bundesrepublik. Hunderte Journalisten nahmen damals, 1966, von den “Boten einer verschlossenen Welt” Notiz.
Esrig nimmt seinen vierten Doktorhut nicht ohne einen Anflug von Humor entgegen, indem er gegenüber dem Anzeiger feststellt: ”Jetzt kann ich eine Doktorhut-Ausstellung veranstalten”.
PNP 27.4.2012
Einblick in ein Hundeleben
Gastspiel von Athanor Absolventen in der Akademie auf der Burg
Burghausen. Die Theaterakademie Athanor begrüßt Mirkus Hahn mit seinen “Forschungen eines Hundes” von Franz Kafka unter Regie von Florian von Hoermann. Beide Künstler sind Absolventen der Akademie und haben schon früher Gastspiele in Burghausen gegeben. Mirkus Hahn war 2006 in der Inszenierung “Warten auf Godot” von David Esrig zu sehen und Florian von Hoermann führte bereits bei zwei Abschlussproduktionen der letzten Jahre Regie.
Flackernde Neonröhre, Metallleiter seitlich an Baugerüst, mit Krimskrams beladen. Die Kulisse erinnert an Einkaufswagen, die Obdachlosen zur Aufbewahrung für ihr Hab und Gut dienen. Hier wohnt der Hund, der Philosoph, der einsame gescheiterte Sonderling, der sein Leben fragwürdigen Forschungen verschrieben hat.
Diese einsamen Forschungen behandeln nichts weniger als die grundlegenden Fragen der Hundeschaft. Wo immer sich Wahrheit finden lässt, reckt unser Forscher seine Nase in den Wind. Dünn ist die Luft in den Höhen, in denen sich der Forscher bewegt. Dünn ist das Eis, auf dem er steht. Bis ans Ende seiner physischen Kräfte, bis zur seelischen Zerrüttung stellt sich dieser kuriose Held den alltäglichen Widersprüchen und Absonderlichkeiten. Ein aberwitziger Kampf. Ein Witz? Und trotzdem.
Zu sehen am Freitag, 4., und Samstag, 5. Mai , jeweils um 20 Uhr in der Aula der Akademie, Burg 27b, Burghausen. Kostüm: Verena Wondrak.
PNP 3.5.2012
Daniel Christensen auf Mörderjagd
Burghauser Schauspieler hat eine Hauptrolle in der Fernseh-Krimireihe “Polizeiruf 110″
Von Robert Piffer
Burghausen. Der eine oder andere Fernsehzuschauer mag sich am Samstagabend beim Krimischauen gedacht haben: “Der Typ kommt mir bekannt vor, aber ich weiß nicht, woher ich ihn kenne!” Der “Typ” war der Burghauser Daniel Christensen, der in der Krimireihe “Polizeiruf 110″ neben Ermittler Hanns von Meuffels (dargestellt von Matthias Brandt) die Hauptrolle des Mörders Xaver Edlinger spielte.
Der 34-jährige ehemalige Burghauser, der jetzt in Berlin lebt, hat schon jede Menge Krimi-Erfahrung. Er spielte 2009 und 2006 im “Tatort” mit, allerdings jeweils nur in Nebenrollen. Als Gastschauspieler trat er in Serien wie “Soko Main”, “Alarm für Cobra 11″ oder “Ein Fall für Zwei” auf. Mit seinem Hauptrollen-Debüt zur besten Sendezeit gilt er jetzt als die “TV-Entdeckung”. Denn bisher hatte er seinen künstlerischen Schwerpunkt nicht im Fernsehen, sondern im Theater. Christensen war im Salzburger Landestheater, im Wiener Theater an der Josefsstadt, im Schauspiel Frankfurt, dem Düsseldorfer Schauspielhaus und dem Schauspiel Hannover für Hauptrollen engagiert. Begonnen hatte Christensen seine künstlerische Laufbahn in seiner Heimatstadt an der Athanor-Akademie. Er gehörte dem ersten Jahrgang an, der von David Esrig auf der Burg ausgebildet wurde und 1999 mit dem staatlichen Diplom abschloss. Weil er bei Studienbeginn direkt von der Hauptschule kam und erst 16 Jahre alt war, bedurfte es einer Sondergenehmigung, damit Christensen die Akademie überhaupt besuchen konnte.
Inzwischen hat sich gezeigt, dass Athanorchef David Esrig damals zu Recht eine Ausnahme machte, um ein echtes Talent zu fördern. Christensen stammt aus einer künstlerischen Familie. Seine Mutter gründete die Burghauser Tanzwerkstatt, die sie auch viele Jahre erfolgreich führte.
Sein Bruder Patrick spielte bis 2005 in der Band von Nena und ist inzwischen vom Pop wieder zum Jazz zurückgekehrt. Dort hatte er als Mitglied des Bundesjugendjazzorchesters seine Karriere begonnen.
PNP 1.5.2012
Das große Zwicken: Die Wanze – Insektenkrimi bei Athanor
Herrlicher Sonnenschein, Ruhe, Gartenidylle ! von wegen! Im Mikrokosmos der Insekten tobt ein erbitterter Kampf um die Herrschaft im Garten. Ein Ohrwurm verschwindet, die verrückte Wespenkönigin hegt Mordgelüste, die Spinne verbreitet Angst und Schrecken, und überhaupt, es ist “etwas faul im Staate Ameise”. Nur der Mensch ahnt nichts davon, denn er ist zu dumm zu bemerken, was um ihn herum passiert. Davon ist jedenfalls die Wanze Muldoon überzeugt. Eigentlich ist er ein Käfer, aber das tut nichts zur Sache. Wichtig ist nur, dass Muldoon als der beste Privatdetektiv im ganzen Garten einen gefährlichen Auftrag bekommt…
“Die Wanze” basiert auf Paul Shiptons gleichnamigem Roman. Er wollte ein Buch über einen tierischen Detektiv schreiben, der weder pelzig- kuschelig noch süß war. Was hätte da besser gepasst als ein Käfer! Entsprechend ist auch der Ort des Insektenkrimis: der geheime Dschungel des Gartens.
Das Theaterstück wird unter Regie von Simon Libuschewski seit einem Jahr an unterschiedlichen Spielstätten aufgeführt. Etwa 40 Vorstellungen gingen bisher mit großem Erfolg über die Bühne, wie auch am vergangenen Sonntag in der Athanor-Theaterakademie. In der Ein-Mann- Inszenierung brilliert Schauspieler Moritz Katzmair als Wanze Muldoon selbstironisch und cool. Katzmair spielt alle siebzehn (!) Rollen des Stücks, wobei er sowohl als tanzende flotte Motte als auch als zuckerabhängige stotternde Stubenfliege eine gute Figur macht. Herrlich komisch mimt er die wahnsinnige und lispelnde Wespenkönigin, ebenso das Regenwurm-Brüderpaar Klitsch und Ko. Als Tournee-Theater müssen die Künstler mit wenig Equipment auskommen. Dennoch ist das Bühnenbild ansprechend, stimmig und wird mit perfekt sitzenden Licht- und Toneffekten ergänzt.
Mit seiner insgesamt spannenden Handlung, wobei nur wenige Stellen einen wirklich dramatischen Verlauf nehmen, und dem leicht flapsigen Ton bietet dieser Insektenkrimi gute Unterhaltung für Groß und Klein. Es ist ein rasantes, lustiges, skurriles Stück über Individualität und Solidarität, voller Witz und Anspielungen. Prädikat: Sehr empfehlenswert!
Am Sonntag, 25. März, um 16 Uhr wird das Stück nochmals gespielt, in der Burg 27b.
Livia Takács
PNP 23. März 2012
Wiederaufnahme Der Beweis des Gegenteils
TIPPS DES TAGES
Athanor-Stück wieder aufgenommen
Burghausen. Wegen des großen Erfolgs wird das Abschlussstück des jetzigen 4. Jahrganges wieder aufgenommen. Der 4. Jahrgang der Akademie wurde mit dem Stück “Der Beweis des Gegenteils” zum internationalen ClassFest Festival für Film-und Theaterhochschulen in Chisinau (Moldawien) eingeladen. Dort werden eine Auswahl der besten Produktionen von Studenten aus Rumänien, Deutschland, der Republik Moldau, Polen, Russland und der Ukraine präsentiert.
Der Schweizer Autor Olivier Chiacchiari erzählt in “Der Beweis des Gegenteils” in neun Szenen ein absurd komisches und hintersinniges Stück Dorfgeschichte. In der Komödie “Der Beweis des Gegenteils” wird geliebt und entliebt, werden Geheimnisse gelüftet und Verschwörungen gebaut: ein Tollhaus der Verwirrungen und Gefühle. Vor allem der verschwundene, von mysteriösen Terroristen gesuchte Theobald hält das kleine Dorf in Atem.
Es spielen Laura Becker, Carmen Jahrstorfer, Simon Libuschewski, Bernhard Schnepf, Laurence Schnyder. Regie führt Josef Maria Krasanovsky, Aufführungen am Donnerstag, 15., Freitag, 16., Samstag, 17. und Sonntag, 18. März. Donnerstag, 22., Freitag, 23. und Samstag, 24. März. Mittwoch, 28., Donnerstag, 29. und Freitag, 30. März jeweils um 20 Uhr in der Aula der Akademie, Burg 27b.
PNP 15.03.2012
Die Wanze kommt
Gastspiel des Coccodrillo Regensburg am Sonntag im Theatersaal
“Die Wanze”, ein Insektenkrimi von Paul Shipton, hat der Regieabsolvent der Athanor Akademie Simon Libuschewski im Coccodrillo Theater Regensburg mit Moritz Katzmair in allen 17 Insekten-Rollen Insektenrollen inszenziert. Nun kommt “Die Wanze” nach Burghausen.
Inhalt: Wanze Muldoon ist Privatdetektiv und hat den Auftrag, einen Vermisstenfall im Insektenreich zu untersuchen. “Ich wollte eine Geschichte über Tiere schreiben. Beim Beobachten der Insekten in meinem Garten wurde ich mir nach und nach über den Schauplatz der Geschichte klar. Ich war erstaunt über diese brutale Schlacht, die sich da zu meinen Füßen abspielte, während ich zufrieden an meinem Drink nippte! Klar, dass das eine Detektivgeschichte werden musste, die nicht im Großstadtdschungel, sondern im Hausgartendschungel spielt,” sagt selbst Paul Shipton über sein Stück.
Vorstellungen: Sonntag, 18. März, Sonntag, 25. März, jeweils um 16 Uhr in der Aula der Akademie, Burg 27b , Kartenreservierung: 08677/911154 (auch AB), oder unter info@athanor.de
Vorverkauf:Bürgerhaus: 08677/974011 Tourist Info Burghausen: 08677/887140 und an der Abendkasse.
PNP 15.3.2012
Nach Athanor kommt Freistil
Inspirierender Abschlussabend der Schauspielklasse
Burghausen. Am Wochenende verabschiedete sich die 14. Generation der Klasse “Schauspiel” der Theaterakademie Athanor und zeigte zum Ende ihrer vierjährigen Ausbildung dem Publikum ein umfangreiches Repertoire an Monologen und Liedern. !Unter Leitung von Rainer Dobernig, Evelin Kohl und Stefan C. Limbrunner durften Andrea Reinbacher, Rebekka Bachmann, Eveline Makrai, Simone Bartzick und Ambra Berger die gesamte Bandbreite ihres Könnens präsentieren. Jede der jungen Schauspielerinnen bewies eine enorme Wandlungsfähigkeit und konnte mühelos von einer tragischen in eine komödiantische Rolle wechseln und das klassische Fach ebenso überzeugend bedienen wie das moderne. Sie schafften dies mit einer Lockerheit, die niemals die Inspiration vermissen ließ, und zogen die Zuschauer mit ungekünstelten Emotionen und konzentrierten Darbietungen in ihren Bann. Sprachliche Perfektion und Variabilität sowie der Verzicht auf übertriebene Gestik und Mimik trugen sehr zur gelungenen Interaktion mit dem Publikum bei. !Temperamentvoll und mit spielerischer Authentizität spielte Eveline Makrai die Hermine aus Hesses “Steppenwolf”, mit Bravour meisterte Rebekka Bachmann den bösen, wortreichen Song “Geben Sie acht!” von Georg Kreisler, einen emotionalen Höhepunkt erklomm Simone Bartzick mit einer Szene des Mundartdramas “Jagdszenen aus Niederbayern” von Martin Sperr. Unter die Haut ging Ambra Bergers Monolog als “Medea” von Franz Grillparzer, und Andrea Reinbacher brachte mit “I shot Andy Warhol” von Mary Harron die weiblichen Zuschauer zum Kochen und die männlichen zum Zittern, um nur einige Höhepunkte zu nennen. Das Publikum honorierte zweieinhalb kurzweilige Stunden leidenschaftlicher Theaterkunst mit lang anhaltendem Applaus.
Bernhard Künzner, PNP 29.2.2012
Bis zu Heiserkeit und Blutergüssen
“Der Beweis des Gegenteils” von Chiacchiari − Furiose Abschlussaufführung des 4. Schauspiel-Jahrgangs
Burghausen. Die Bühne ist noch dunkel. Während die Zuschauer ihre
Plätze einnehmen, hört man Heinos “Im Wald, da sind die Räuber”, das
Licht geht an – eine fast nackte Bühne, einzig sechs Jalousien warten
darauf, herabgelassen zu werden. Die Absurdität des Stücks “Der Beweis
des Gegenteils” von Olivier Chiacchiari verfolgt den Zuschauer auf
Schritt und Tritt.
Dann eine Szene, wie sie jeder kennt: Nach Feierabend, man hat ein
Bad genommen, sich ein Glas Wein eingeschenkt und will Musik hören – da läutet es. Freunde und
Nachbarn sind draußen – es wird vor einer Gefahr gewarnt, Räuber und Einbrecher kommen in die Stadt.
Man fragt: “Welche Gefahr?” und bekommt zur Antwort: “Wenn du es nicht für Gefahr hältst, bist du gegen
uns.”
Ohne es zu wollen, gerät Sophie (Laurence Schnyder) in einen Teufelskreislauf aus Verdächtigungen,
Intrigen und Manipulationen, in dessen Mittelpunkt das Phantom Theobald steht, mal zum Monster, mal
zum Wohltäter deklariert. Das böse Spiel setzt sich fort, wie man es von einer bürgerlichen Gesellschaft
erwartet. Renate Seifert (Carmen Jahrstorfer) drängt sich mit der Behauptung “Ich habe es gesehen” in den
Vordergrund, ihr Mann Thorsten (Bernhard Schnepf) sucht in Zeitungsartikeln Beweise für haltlose
Verdächtigungen.
Agnes Gauweiler (Laura Becker) als alkoholabhängige Opportunistin und ihr Mann Detlef (Simon
Libuschewski), der seine Seele für einen vollen Teller verkaufen würde, komplettieren die typischen
Kleinstadtcharaktere. Neben derben Klischees baut Chiacchiari auch Bibelstellen ein, um die Mechanismen
kollektiver Missverständnisse zu demonstrieren. Thorsten fordert wie Judas die Auslieferung des
Verdächtigen, um ihm Gelegenheit zu geben, sich ein für allemal zu äußern.
Wie man es von Athanor-Produktionen gewohnt ist, verkörpern die Akteure ihre Rollen mit enormer
Spielfreude und extremem Körpereinsatz. Regisseur Josef Maria Krasanovsky, selbst Athanor-Absolvent,
gelingt es, aus jeder einzelnen Szene Spannung herauszukitzeln. Bewundernswert ist die Artistik des jungen
Teams, die sogar über die komischen Sterbeszenen hinaus gefordert wird. Zwei offene Luken im
Bühnenboden, welche die Schauspieler scheinbar mühelos umtänzeln, treiben den Zuschauer zur
Verzweiflung.
Die Abschlussaufführung des 2013er Jahrgangs verlangt den Schauspielern alles ab – “Heiserkeit und
Blutergüsse, Müdigkeit und Lachergüsse” – wie sich Simon Libuschewski ausdrückte, daher ist der
begeisterte Applaus des Publikums mehr als gerechtfertigt.
− B.K.
PNP 2.2.2012
