Presse

Zwei Regie-Studentinnen laden zur Premiere
Marika Rockstroh und Alicia Pointner zeigen von Dienstag bis Freitag Stücke auf der Burg

Burghausen. Die beiden Regie-Studentinnen der Theaterakademie Athanor, Marika Rockstroh und Alicia Pointner, haben sich zu einem gemeinsamen Projekt zusammengetan, das Unterschiedliches zu bieten hat. Morgen, Dienstag, ist Premiere im Theatersaal auf der Burg. Die beiden Stücke werden dann täglich bie zum Sonntag, 31. Juli, jeweils um 20 Uhr bei freiem Eintritt aufgeführt.
Zunächst präsentiert Alicia Pointner aus Kaiserslautern mit vier Schauspielern die Horrorkomödie „Ade Schönheit“ von Francois Archambault. Wer schön sein will, muss leiden heißt ein Sprichwort, das in diesem Stück allzu wörtlich genommen zu werden scheint. Die Hauptakteure sind zwei Terroristen, die sich in der Welt der Schönen nicht akzeptiert fühlen. Um ein Exempel zu statuieren und ein Zeichen gegen den Schönheitswahn zu setzen, entführen sie die amtierende Miss Laval. Doch die Schöne weiß sich mit ihren Mitteln zu wehren. - und es geschehen Dinge, die die ganze Aktion ins Wanken bringen.
Mit „Victoria Station“ von Harold Pinter setzt sich Marika Rockstroh aus Düsseldorf in Szene. Hier geht es um einen Taxifahrer, der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist. Vergeblich versucht die Zentrale ihn dazu zu bewegen, Aufträge zu erledigen. Der Held des Stückes kennt sich nicht aus. Eine Komödie mit psychologischem Hintergrund. Die beiden Regiestudentinnen befinden sich zur Zeit im 2. Ausbildungsjahr. Das Studium umfasst auch Schauspiel und Film. - fu

PNP 26. Juli 2010

 

Im Ringen mit Macht, Liebe und Kleist
Der zweite Jahrgang der Athanor-Akademie präsentiert eine Collage aus Kleist-Stücken

Macht Liebe Irrtum

Burghausen. Als äußerst „schwierig für die jungen Schauspieler“, bezeichnete Prof. Dr. David Esrig, der Leiter der Athanor Akademie, die Collage „Macht, Liebe, Irrtum“ aus drei Kleist-Stücken. Denn nicht nur das Leben des Dichters selbst, der zu den „bedeutendsten Dramatikern aller Zeiten“ gezählt werden darf, wird regelrecht vom Chaos regiert: Nach einem von drei „Schaffens-“, bzw. „Lebenskrisen“ sowie von verwehrtem Erfolg und unerfüllter Liebe geprägten Dasein, nimmt sich das Genie mit nur 34 Jahren das Leben.
So stellen die kompakt inszenierten Ausschnitte der Stücke „Penthesilea“, „Der zerbrochene Krug“ und „Amphitryon“ nicht nur das Publikum der Freundlhalle vor eine Herausforderung, sondern verlangten auch den Athanor Schülern des zweiten Jahrgangs viel an schauspielerischem Talent aber auch eine plausible Umsetzung, sowohl optisch wie akustisch, ab. Wenn man bedenkt, dass die „kleistsche Sprache“ schon zu dessen Lebzeiten oft als „unzumutbar“ verschrien war und die drei Werke alles andere als trivial sind, so ermöglichte ein wirklich überaus packendes, emotionales und extrem authentisches Spiel der jungen Darsteller einen beinahe einwandfreien Zugang zu Kleist.
Sehr übersichtlich präsentierten sich die einzelnen Stücke exakt voneinander getrennt. Dadurch wurde es dem Zuschauer zum einen zwar ermöglicht, die einzelnen Inhalte besser zu erfassen, doch ergab sich erst allmählich ein Gesamtüberblick über die jeweiligen thematischen Verbindungsstränge. Gleich zu Beginn wird das Publikum mit der unbändigen Kampfeswut, dem Durst nach Rache und Macht aber auch einer regelrecht aggressiven Leidenschaft der Penthesilea, der Amazonen-Königin während des trojanischen Krieges, konfrontiert. Düster-apokalyptische Klänge, moderne Soldatenkleidung und wunderbar dramatischer Lichteinsatz, unterstreichen das tragische Ende der Amazonenkämpferin und deren Geliebten, Achill, in einer Verblendung von Hass, Wut, Leidenschaft und Verzweiflung.Zwischen Macht, Lügen und Betrug spielt sich auch Kleists bekanntes Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ ab. Gerade der zunächst scharf hervortretende Kontrast zwischen dem Drama der Antike und dem komischen Dorfprozess um einen zu Bruch gegangenen Krug, ermöglicht es beiden Darstellungsformen in besonderer Prägnanz hervorzutreten und die witzigen Dialoge zu gestalten. Auch ein wirklich gekonnt eingesetzter Gebrauch von bayerischem, wie auch Schweizer Dialekt sorgen für amüsante Momente. Im Gegensatz zur beinahe völlig ohne Requisiten auskommenden „Penthesilea“, vervollständigte ein durchaus komplexes und in seinen Details, wie einem überdimensionierten Stuhl und Tisch des Richters als Zeichen seiner Lächerlichkeit, stimmiges Bühnenbild die Handlung des Lustspiels.
Rund um Ehre, Anstand, Verführung und Gewissensqualen dreht sich auch „Amphitryon“. Denn nachdem Alkmene ihren Gatten unwillentlich sowie unwissentlich mit dem Göttervater Zeus betrügt, folgt ein atemloses Verwirrspiel zwischen Liebe, Eifersucht und Misstrauen. Nach den ersten beiden Werken befinden sich die Athanor Schüler bei „Amphitryon“ zwar erneut in tragischen Sphären, aber durchaus nicht ohne Komik. Besonders der äußerst lässig-modern interpretierte Götterbote Merkur sticht als komödiantisches Glanzlicht hervor und lockert die sexuell geladene Spannung des Stückes beizeiten auf. Als der göttliche „Show-Down“ des Zeus der Verzweiflung endlich ein Ende setzt, finden die von der Ehekrise gebeutelten doch ihr verdientes „Happy End“. Aufgrund der erneut ausführlich gestalteten Bühnenausstattung fällt es dem Zuschauer - allmählich auch mehr mit den komplizierten Unwägbarkeiten der Sprache Kleists vertraut - zunehmend leichter, sich in die Thematik hineinzuversetzen. Ein Rest „Distanz“ zu den doch fast zweihundert Jahre alten Werken bleibt trotz der natürlich immer noch aktuellen Aspekte. Der Blick aus den Augen des 21. Jahrhunderts kann doch nicht gänzlich erfassen, was schon zu Kleists Zeiten eine kleine Herausforderung war.
Weitere Aufführung: Heute, Dienstag, 20 Uhr im Theater in der Freundlhalle, Tittmoningerstraße 17.PNP 13. Juli 2010. Astrid Ehrenhauser

 

Zwischen Schein und Sein
„Perspektive von Sinnen“ - eine Collage


Burghausen. An die ganz großen Fragen der menschlichen Existenz wagt sich die Collage „Perspektive von Sinnen“, des dritten Jahrgangs der Athanor Akademie unter Betreuung und Inszenierung von Prof. David Esrig, Margit Rettberg und Stefan C. Limbrunner.
Unter verschiedenen Aspekten und mit wechselnden Realitätsebenen basiert die Collage auf Teilen der Stücke „Krankheit der Jugend“ von Ferdinand Bruckner, „Wolf im Korb“ von Rogér Vitrac und „Sommergäste“ von Maxim Gorkij. Aus dem oft gewagten Gegenüberstellen einzelner Szenen und teilweise völlig konträr scheinenden Thematiken oder stilistischen Blickwinkeln entwickelt sich eine ganz eigene Art des Theaters, die dem Zuschauer ungeahnte Bezüge eröffnet. Denn auf den ersten Blick haben die emotionsgeladenen, spannungsreichen und beinahe brutalen Auswüchse der Schicksale dreier Jugendlicher der 20er Jahre vielleicht wenig mit den grotesk anmutenden Wirrungen eines noblen Sanatoriums unter der Fuchtel einer zweifelhaft kompetenten Irren(ärztin) und vielleicht noch weniger mit der völlig im Stumpfsinn und erdrückender Banalität versinkenden russischen Oberschicht zur Zeit um 1900 zu tun. Doch je tiefer die fünf jungen Schauspielerinnen das Publikum in den Bann der einzelnen Geschichten ziehen, umso deutlicher kristallisieren sich Leitfäden heraus. Auf der Suche nach dem Sinn begegnen alle Rollen ungeahnten Sehnsüchten, dem Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit, den Qualen des Frauseins, melancholischer Tiefsinnigkeit, ungezügeltem Hunger nach Leben, aber auch exzessiver Todeslust, aufreibender Leere, gierigem Freiheitswahn, aggressiven Machtspielchen sowie Lust und Leidenschaft. Als das dominante Motiv entpuppt sich die Unfähigkeit der einzelnen Figuren, menschliche Nähe zuzulassen.
Doch auch wenn dieser tiefschürfende Inhalt zunächst wenig Platz für komische Elemente einzuräumen scheint, so sorgen doch einige witzige Szenen im Sanatorium, seien es die Obsession einer imaginären Krätze, oder die kannibalistisch anmutenden Ausbrüche der Irrenärztin für eine gute Portion Komik.
Es verlangt dem Zuschauer einiges ab, bei den teilweise abrupten Wechseln nicht den Überblick zu verlieren. Auch wenn sich schließlich das Blatt für die jugendlichen Freigeister nicht zum Guten wenden kann und auch die frustrierte russische Ehefrau letztendlich kapitulieren muss und feststellt: „In den Herzen der Menschen ist immer Dämmerung“, wirkt der Schlusssatz der Irrenärztin: „Patienten gibt es, weil es Ärzte gibt“ beinahe wie ein Versprechen, dass vielleicht doch noch gehofft werden darf.
 - Astrid Ehrenhauser

Weitere Vorstellungen sind am 6. und 7. Juli, jeweils um 20 Uhr in der Akademie auf der Burg.

PNP 5. Juli 2010

Am Ende zählt, was man kann
Tag der offenen Türen in der Theaterakademie Athanor auf der Burg

Burghausen. Über eine „sehr gute Atmosphäre und großes Interesse an den einzelnen Veranstaltungen“ freute sich Evelin Kohl, Studienleiterin der Athanor Akademie, am „Tag der offenen Türen“ am Wochenende. An diesem Termin sei es zum einen wichtig, dass „Interessenten an einer Schauspielausbildung die Gelegenheit bekommen, sich einen Eindruck von der Akademie zu verschaffen“. Zum anderen hat  Evelin Kohl die Erfahrung gemacht, dass man sich „in Burghausen oft so isoliert vorkommt“ und begrüßt es daher, die Schule am „Tag der offenen Türen“ auch den Burghauser Bürgern näherbringen zu können. 

Denn die 1995 gegründete Akademie hat sich längst international etabliert. Unter den Studenten finden sich vor allem im Regiebereich die unterschiedlichsten Nationalitäten. Besonders in Deutschland sei die anerkannte Bühnenreife, welche die Akademie als Abschluss bietet, „für das spätere Beziehen von Renten notwendig“. Auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt zähle, so  Evelin Kohl, jedoch vorrangig „was man kann“. Und dass man nach einer Ausbildung an der Akademie durchaus einiges zu bieten hat, liegt nicht nur an einem breit gefächerten Unterrichtsangebot und hochrangigen Dozenten, so Fabian Hentzen, Dozent für Filmregie, sondern auch an dem „außergewöhnlich guten Platzangebot von über 2000 m²“. Von dem guten Ruf der Schule hat sich auch Yannika Hecht, Abiturientin aus Mannheim nach Burghausen locken lassen: „Seit einem Regieprojekt in der Schule interessiere ich mich für diesen Beruf und hier in Burghausen muss ich mich nicht sofort für Theater- oder Filmregie entscheiden, sondern kann beides lernen.“ Bevor sie sich im Herbst für das nächste Semester bewerben will, kann sie sich nun direkt vor Ort im Gespräch mit anderen Studenten über das Studium austauschen und informieren. Alle 46 Studenten und ein Teil der beinahe ebenso vielen Dozenten standen am Samstag ab zehn Uhr nicht nur dazu zur Verfügung, sondern wirkten bei unterschiedlichen öffentlichen Proben, Einführungen in die Technik des Filmschnitts und der Bühnenbildfertigung, sowie bei einzelnen Kostproben aus dem Bereich des „Körper- und Stimmtrainings“, aber auch der Theater- und Filmgeschichte mit. 

Der Leiter der Athanor Akademie, Prof. David Esrig, stand zudem mit einer Fragestunde und einem Beratungsgespräch über die zweitägigen Aufnahmeprüfungen, die anschließend vierjährige Ausbildung und die generellen Perspektiven als Schauspieler oder Regisseur zur Verfügung. Für Abwechslung sorgte eine clowneske Aufführung, welche die Zuschauer mit sprühendem Witz und gekonnter Pointierung in den Bann zog, sowie eine Party am Abend. - ae

PNP 22. Juni 2010

Bühne erleben und fachlichen Rat holen

Morgen bietet die Theaterakademie Athanor einen Blick hinter die Kulisse

Burghausen. Seit über 15 Jahren besteht die Fachakademie für darstellende Kunst Athanor. Sie bildet den Nachwuchs für Theater, Film und Fernsehen aus und zählt zu den größten Theaterschulen Deutschlands. Unter der Leitung von Prof. Dr. David Esrig hat die Athanor Akademie inzwischen auch ein internationales Renommee gewonnen.
Morgen, Samstag, ab 10 Uhr öffnet Athanor seine Türen, um Interessierten Einblick in den Arbeitsalltag der Schule zu geben. Die Besucher können hinter die Kulissen der Theaterwelt blicken. Schauspielproben, Improvisationen, Film-Schauspielen mit Filmübungen zum Mitmachen, Kamera Acting, Filmschnitt und Dreharbeiten, Atem-und Sprechtechnik, Bühnenaussprache und Sprachgestaltung, Biomechanik, Clownerie und Bewegung, Bühnenkampf werden angeboten. Außerdem werden Filme der Studierenden und Absolventen gezeigt.
Informationen gibt es am Infostand im Foyer. Hier kann man auch erfahren, wie man sich auf die Aufnahmeprüfungen vorbereitet, die im Herbst wieder beginnen. Als krönenden Abschluss zum Tag der offenen Tür tritt die rumänische Band „sZempöl-Orchester“ (akustic.ethno-Breakbeat) auf. Die jungen Musiker verbinden temperamentvolle transsilvanische Klänge mit elektronischer Musik. Die Band spielt ab 19 Uhr auf der Wiese der Akademie. - red

PNP 18.6.2010

Mysteriöse Traumlandschaft

Szenische Lesung mit Sonja Redmann und Stefan C. Limbrunner

Burghausen. Großes Theater in Form einer Lesung, dieses ungewöhnliche Konzept präsentierte die Athanor-Akademie am Wochenende in ihren Räumen auf der Burg. 
Dem leider nicht so zahlreich erschienen Premierenpublikum eröffnete sich am Freitag eine seltsame und dunkle Welt. Die szenische Lesung des Bühnenstücks „Traumland“ von Stefan C. Limbrunner wurde nach dem im letzten Jahr uraufgeführten Bühnenstück inszeniert. Durch den äußerst intensiven Vortrag von Sonja Redmann als „die Ärztin“ und Autor Stefan C. Limbrunner als „Geza Càlvary“ verschwammen von Beginn an die Grenzen von Lesung und Bühnenstück. 
Als „ein Stück Kino für das Ohr“ angekündigt, erfüllte die Lesung die Erwartungen und übertraf diese durch die ausgefeilten Dialoge, den schnellen Rollentausch und der punktgenauen Lichttechnik. Damit war diese Lesung nicht nur ein Ohren-, sondern auch ein Augenschmaus, insbesondere durch die darstellerische Leistung der beiden Akteure. 
Als eine „Hommage an Alfred Kubin“, dem expressionistischen Maler und Autor gedacht, entführte das Stück den Besucher in eine rauschhafte, mysteriöse und geheimnisvolle Traumlandschaft, die dunkel und gefährlich erscheint. Eine szenische Lesung auf die man sich einlassen musste, alles andere als leichte Unterhaltung, aber zu jedem Zeitpunkt getragen von den beiden hervorragenden Akteuren. - Thomas Bittcher
 PNP 2. Juni 2010

 

 

Auf den Spuren des Scharfrichters

Schauspiel-Schüler der Athanor-Akademe bieten eine gruselige Exkursion durch den Folterturm

Burghausen. Der Uhrturm im sechsten Burghof schlägt zur neunten Stunde, es hängt ein Schauer zwischen Wolken. Leise prasselt der frühsommerliche Regen nieder. Noch machen die Wartenden sorglose Gesichter.
Eine kleine Gruppe hat sich am Uhrturm eingefunden, um auf den Spuren des Scharfrichters zu wandeln. In einigen hundert Metern Entfernung wandelt ein schwarzer Umhang, begleitet von einer Laterne in der Dämmerung. Es scheint, als ziehe das Kerzenlicht eine Gestalt langsam hinter sich her Richtung Uhrturm. Der Himmel verfärbt sich, blau-lila Töne geben ein spektakuläres Licht in der Dämmerung für den Auftritt des Scharfrichters. „Seid mir willkommen, ihr Taugenichtse, Tagelöhner, Huren und Diebe“, keucht es aus dem schwarzen Umhang. Lukrativ sei es für ihn allemal, die Leute hier zu knechten auf der Burg zu Burghausen, stammelt die düstere Gestalt. „Meinen Lohn erhielten ich nach getaner Arbeit von den Familien der Hingerichteten.“
Langsam zieht Wind auf, die Nacht kündigt sich an. Eine feuchte Mainacht, deren Unstetigkeit die Burgbewohner einzuschließen scheint in ihre uralten Gemäuer. Kein Sterbenswörtchen, kein Laut hallt über die jahrhundertealte Anlage. „Kommt mit mir, ihr Sünder, folgt mir!“, haucht es aus dem schwarzen Umhang. Wie in Trance folgen die unschuldigen Seelen dem finsteren Gesellen. Vorbei an der Hedwigskapelle und an feuchten Margaritenwiesen geht es weiter in die Burg hinein.
Beim ersten Torbogen: Weiber. Wimmernd klagen sie sich ihr Leid, lästernd verunglimpfen sie die Wirtsfrau und völlig sorglos zieht der Burgkater seine Runden um die galligen Frauenleid. „So kommt herein, sehet meine Wirkungsstatt“, keucht es aus dem Umhang und alle 15 gehen nach in den Folterturm. „Ich bin der Scharfrichter zu Burghausen, will Euch hängen sehen, will Euch abverlangen, was ihr den armen Leut geschuldet“, stöhnt der Henker hervor.
Kreidebleiche Hände fahren herauf, ein armer Irrer hat sich im Turm verlaufen. Ein Rupfen, ein Nesteln an den Schaulustigen beginnt und endet sofort wieder. „Das ist mein Reich. Ich bin Teil dieses wunderbaren Spiels und doch lassen sie mich nicht hier in der Stadt wohnen“, der Umhang nimmt Gestalt an. Ein weißes, keuchendes Menschlein streift sich die Kapuze ab. Flackerndes Kerzenlicht erhellt die Verliese.
„Sehet dar, was ich mit Euch machen kann“, der Scharfrichter dreht am Wagenrad, das auf vielfältige Weise bei der Folter verwendet wurde. Durchdringend und schauderhaft führt er die Folterinstrumente vor. Apparaturen, Gewichte, Daumenschrauben - der Fantasie scheinen keine Grenzen gesetzt. Aber da - ein Schrei aus dem Kerker. „Lasst uns nachsehen“, fordert der Scharfrichter auf. Alle 15 steigen hinab, weit unter die Burg, Stufe um Stufe. Es finden sich wimmernde, irre Weiber, die den Tod vor Augen, den Glauben wiederfinden und: Gestehen. „Das tun sie alle“, sagt der Scharfrichter.
Die Folter wird auch heute noch in 111 Ländern praktiziert, wie Peter Fischer, seit 25 Jahren Pächter des Folterturms, sagt. Auf der Burg zu Burghausen ist um 1808 die letzte Folterung überliefert. Über 1000 Hinrichtungen wurden allein hier vollzogen. Dazu kommen: Hexenverbrennung und Knechtung der „Zauberkinder“. Der Name des Scharfrichters leitet sich von der Schärfe seines Schwertes ab mit dem er richtete.
Schreie hallen durch den Folterturm. Elend und Feuchtigkeit strahlen von den Wänden. „Kommt, Kommt! Lasst uns weitergehen, ihr Sünder“, zischt der Scharfrichter. Er zeigt Todeszelle, Kerker, Folterinstrumente - nimmt mit auf eine mittelalterliche Reise der Marter. Auch eine Art hauseigenes Krematorium gibt es im Folterturm. Ein kleiner Schacht, direkt neben der Todeszelle, erinnert an Hunderte, deren Tod mit der Anklage besiegelt war. Ob der Folter gestand ein Jeder: „Der eine früher, der andere später“, wie Scharfrichter Patrick Brenner Schauspieler der Athanor, glaubhaft erzählt. Während dessen wandeln Häftlinge wirr umher und murmeln Gebete in der Hoffnung dem Schicksal doch noch zu entrinnen.
Die Führung ist ein Stück, ein Schauspiel, eine Szene aus längst vergangenen Tagen, die so oder so ähnlich auf der Burg passiert sein könnte. Eine Kooperation zwischen Peter Fischer und der Athanor Schauspielakademie. Chiara Nassauer, Schauspiel-Absolventin, hat die die Führung ausgearbeitet und die Texte geschrieben. Sehr ambitioniert und möglichst hautnah - mit Anfassen - enthüllen die Schauspieler die frühere Folter-Praxis. „Brot und Spiele“ hieß die Devise, das machen sie deutlich und erläutern im Spiel - durchaus mit einer gewissen Leichtigkeit - das undurchlässige Regelwerk der Grausamkeit. Eine Führung, die realistische Einblicke bietet, die aber ganz nebenbei auch unterhält und einen gewissen ironischen und damit humoristischen Ton wahrt. - Alexandra Königseder
FÜHRUNGEN
Wer mit dem Scharfrichter den Folterturm auf der Burg erkunden möchte, hat dazu jeden Donnerstag und Freitag um 21 Uhr und jeden Sonntag um 20 Uhr Gelegenheit. Die Gruppen sollten aus maximal 15 Teilnehmern bestehen. Anmeldung und Karten Tel. 08677/64190 oder 08677/2767.
PNP 1. Juni 2010

 

Der zwölfte Jahrgang verabschiedet sich in die weite Welt

Angehende Schauspieler der Theaterakademie Athanor zeigen ihr Können - Heute gibt es auf der Burg noch eine zweite Vorführung

 

Burghausen. Und wieder einmal war es soweit: Sieben Absolventen der Theater- und Fachakademie Athanor verabschiedeten sich vom Burghauser Publikum, um die Theaterbühnen der Welt zu erobern. Mit einem gelungenen Theaterabend unter dem Motto „In die weite Welt", zeigten die Schauspieler dem begeisterten Publikum, was sie in ihrer vierjährigen Ausbildung an der renommierten Schauspielschule gelernt haben.
Drei Monologe und ein Lied präsentierte jeder der Absolventen. „Musik wird immer wichtiger. An vielen Theatern muss man singen, deshalb ist es für unsere Schüler obligatorisch, ein Lied vorzutragen", erklärt Schuldirektor Prof. Dr. David Esrig.
Den Anfang machte Claudia Hinterecker mit dem Lied „Ich glaub, ne Dame werd ich nie". Auch in ihrer Rolle als Kaleria aus dem Stück „Sommergäste" überzeugte die Schauspielerin als junge Frau, die zu viel Wein getrunken hat und ihren Hass auf die Gesellschaft loslässt. .
Nicht gerade glücklich über einen Heiratsantrag war Janine Evertz in ihrer Rolle als Mabel Chiltern aus dem Stück „Ein idealer Gatte". Als Gudrun Ensslin in „Wenn du geredet hättest Desdemona" ließ Janine Evertz ihren Gefühlen freien Lauf und zeigte, wie die RAF-Terroristin eine Nacht vor ihrem Selbstmord ein Selbstgespräch mit einer Wand führte. Anschließend schlüpfte die Absolventin in die Rolle der Johanna aus „Der einsame Weg" und sang „I could have danced all night".
Mit Schlapperklamotten und zersausten Haaren trug Christine Hagemann einen Monolog aus „Nachtasyl" vor. Als Wassilissa will sie ein neues Leben anfangen, auch wenn sie dafür über Leichen gehen muss. Besonders überzeugend zeigte sich die Schauspielerin in ihrer Rolle als Michelle aus dem Werk „Schutt". Als kleines Mädchen mit Zöpfen und einer Süßigkeitstüte in der Hand erzählte sie emotionsreich und witzig, wie sie sich ihre Geburt und den Tod ihrer Mutter vorstellt.
Ihre Rolle als Fischweib Frau Zwillich aus „Steit der Fischweiber" trug Franziska Wagner mit hessischen Akzent, viel Energie und Witz vor. Auch in ihrer Rolle als Lady Arden aus „Arden von Feversham" überzeugte die Schauspielerin das Publikum. Danach präsentierte sie die Leonie aus „Die Wandernutten" und das französische Lied „Les Champs Elysees".
Victor-Joe Zametzer, der einzige männliche Schauspieler unter den Absolventen, begann seinen Auftritt mit dem französischen Lied „C'est si bon". Auch in seinem letzten Monolog, als „Caliban" aus William Shakespeares „Der Sturm", zeigte er sein Können.
Keine Angst vor Emotionen hatte Dorothee Höhn als „Judith". Angst, Wut, Verzweiflung und Trauer präsentierte die Schauspielerin mit großer Überzeugung. Danach stellte sie ihr Können als Lottchen, als Mädchen aus „Warum das Kind in der Polenta kocht" und mit dem Lied „Aber der Novak lässt mich nicht verkommen" unter Beweis.
Und auch Chiara Nassauer bewies, dass sie zurecht eine Schauspieler-Ausbildung genossen hat. Als Carol aus „Orpheus steigt herab" und als Popo Martin aus dem Stück „Fette Männer im Rock", brachte sie das Publikum zum Schmunzeln. Und auch in ihrer Rolle als Chrysothemis aus „Elektra" begeisterte sie.
Musikalisch wurden die Absolventen von Peter Hösl begleitet. Bereits seit 15 Jahren bildet die Burghauser Schauspielakademie junge Talente für Theater und Film in den Fächern Schauspiel und Regie aus. 40 bis 60 Studenten erhalten die Chance, die vierjährige Ausbildung an der staatlich anerkannten Akademie zu durchlaufen. In diesem Jahr entlässt die Akademie bereits ihre 12. Generation. Wer sich von dem schauspielerischen Können der Absolventen überzeugen will, kann dies noch heute, Dienstag, um 19.30 Uhr in der Aula der Akademie auf der Burg. Auf Grund der großen Nachfrage werden Reservierungen erbeten.  - Stephanie Till
PNP 2. März 2010

 

Wie Frauen der Schuh drückt

„Unser Häuptling“ bei Athanor - Heute zum letzen Mal

Burghausen. Und wieder einmal feierte ein Theaterstück auf den Bühnen der Athanor Akademie Premiere. Mit dem Stück „Unser Häuptling“ von Catherine Aigner inszenierte Simon Libuschewksi seine Abschlussarbeit.
Doch was genau versteckt sich hinter dem Titel „Unser Häuptling“? Catherine Aigner überrascht mit ihrem Theaterstück alle, die jodelnde Indianer auf der Bühne erwartet haben. Denn statt Rothäuten bekommt der Zuschauer einen Schuhladen voll mit roten Schuhen und Kostümen präsentiert. Und mittendrin? Eine esoterische Verkäuferin und die Damen Stöckel und Schuhbeck. Und wie soll es auch anders sein, fangen die beiden Frauen an, sich über ein Paar Schuhe zu streiten. Das endet in einem so heftigen Kampf, dass nicht nur Schuhkartons, sondern auch Schuhe durch den Laden fliegen, die Verkäuferin mit einem Schuhkarton außer Gefecht gesetzt wird und die beiden Giftzwerge sich mit rotem Lippenstift beschmieren.
Als sich die Lage langsam beruhigt, weil sie einsehen, dass der Kampf um die roten Pumps aussichtslos zu sein scheint, entdecken sie einen neuen Streitpunkt: Beide lieben den gleichen Mann. Die eine ist mit ihm verheiratet, die andere ist seine Freundin. Und wieder geht der Kampf von vorne los. Es werden Haare gezogen, Schimpfwörter fliegen durch die Luft und das komplette Geschäft wird aufs Neue verwüstet. Erst der Aufschrei der völlig verzweifelten Verkäuferin bringt die beiden wieder zur Ruhe.
Wer bei „Unser Häuptling“ ein plattes Gezanke zwischen zwei enttäuschten und betrogenen Frauen erwartet, wird positiv überrascht. Mit lustigen Dialogen, viel Sprachwitz und vor allem der außerordentlich tollen Schauspielleistung der Hauptdarstellerinnen Christine Hagemann, Chiara Nassauer und Franziska Wagner bietet das Theaterstück so einige Kehrtwenden, auf die der Zuschauer nicht gefasst ist. Mit ihren kritischen Texten sorgte Autorin Catherine Aigner dafür, dass sich die Rollen der Frau an heutigen Standards und Geschichten messen können. „Es geht um die Austauschbarkeit und die Materialisierung, die unsere Gesellschaft beherrschen. Außerdem zeigt es, dass viele Frauen zu sehr Indianer und zu selten Häuptling in einer Beziehung oder auch sonst sind, daher auch der Titel für das Stück.“, erzählt die Autorin.
Und so schaffte es Regisseur Simon Libuschewski auf engsten Raum ein Theaterstück zu inszenieren, das voller Witz, Charme und Überraschungen das Publikum begeistert. Wer sich selbst ein Bild machen will, kann dies noch heute, Mittwoch, um 20 Uhr in der Athanor Akademie, Burg 27b. Kartenreserv.: Tel. 08677/911154.
 - Stephanie Till
PNP 31. März 2010 

Da wird ein Schuh draus

Burghauser Autorin schreibt Theater für Athanor

Burghausen. Mit dem Stück „Unser Häuptling“ der Burghauserin Catherine Aigner inszeniert Simon Lubischweski von der Theaterakademie Athanor seine Abschlussarbeit.
Zum Inhalt: In einem Schuhgeschäft kämpfen zwei Frauen vor den Augen einer esoterisch angehauchten Verkäuferin um Schuh und Ehemann. Die Schlacht zwischen Schuhkartons führt Geliebte und Gattin auf den Boden der Tatsachen und konfrontiert sie mit ihrer inneren Leere...
Die junge erfolgreiche Burghauser Autorin Catherine Aigner ist 1977 in München geboren, von 1997 bis 2001 folgte ihr Schauspielstudium an der Athanor Akademie für Darstellende Kunst in Burghausen. Angefangen zu schreiben hat sie, als sie auf der Suche nach Vorsprechrollen war. Die Rollen der jungen Frauen waren ihr zu abgedroschen, veraltet oder abgelutscht. So hat sie angefangen, Texte für junge Schauspielerinnen zu entwerfen. Derzeit arbeitet sie für das Theater an der Josefstadt in Wien.
Premiere: 25. März, weitere Termine: 26., 27., 28., 30., und 31. März, jeweils um 20 Uhr in der Athanor Akademie, Burg 27b. Kartenreservierung unter Tel. 08677/911154 (auch AB). Vorverkauf: Bürgerhaus Tel. 08677/974011
Tourist Info Tel. 08677/887140 und
Reisebüro Kaleta in Burgkirchen Tel. 08679/969993. Restkarten gibt es an der Abendkasse. - red

PNP 22. März 2010