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Prof. Dr. David Esrig

Interview mit Theater-Koryphäe Prof. David Esrig – PNP

Unter den Augen des diktatorischen Staatsapparats von Nicolae Ceausescu inszenierte David Esrig Samuel Becketts Drama “Warten auf Godot” − die Zensoren untersagten die Aufführung. Er inszenierte Shakespeares “Der Sturm” − die Zensoren verboten auch dies, nach zwei Jahren Arbeit. Im selben Jahr, 1973, kündigte der Regisseur am Nationaltheater Bukarest und emigrierte. Theater, das ist für den Leiter der Passauer Athanor Akademie für Schauspiel und Regie seither eine existenzielle Frage, wie er im Gespräch zu seinem 80. Geburtstag am 23. September 2015 erklärt. Herr Esrig, Sie werden am Mittwoch 80 Jahre alt. Was antworten Sie jenen, die sagen: Prof. Esrig muss endlich seine Nachfolge regeln. Nicht dass seine Studenten eines Tages ohne Chef dastehen.  Esrig: Diese Stimmen gab es schon zu Burghauser Zeiten. Und es gab Kandidaten von außerhalb der Theaterwelt: Politiker…

Kultürlich: Interview mit David Esrig

Interview mit David Esrig (Leiter der Athanor Akademie)   Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen und warum nicht eine andere Kunst wie zum Beispiel die Malerei? Was glauben Sie zeichnet die Schauspielerei aus? David Esrig: Also wenn ich Ihnen das sage, halten Sie mich vielleicht für verrückt, aber die Malerei ist für mich ein Teil der Schauspielerei – die Malerei als die Bildhaftigkeit des Lebens. Die Malerei beschränkt sich allerdings auf das Bildhafte. Die Schauspielerei jedoch ist eine Kopie des Lebens mit all seinen Abteilungen.Ich bin nicht direkt zum Theater oder zur Schauspielerei gekommen, sondern zur Regie. Mit dem Theater habe ich aus Langeweile angefangen. Ein paar Freunde und ich haben uns damals während unserer Zeit am Gymnasium in Rumänien zusammengetan. Und plötzlich hat man uns ausgewählt, um an einem nationalen Wettbewerb für…

Triumph im Theater wie im Leben – Passauer neue Presse

Die Reaktionen waren nahezu hymnisch: „Die existentielle Analyse, die David Esrig bei Becketts Stück .Warten auf Godot’ angewandt hat, zeigt den großen Unterschied zwischen seiner Inszenierung und den drei rumänischen. Wie schematisch erscheinen mir diese drei verglichen mit der unglaublichen menschlichen Alchemie, die sich in der Aufführung des Athanor-Theaters zeigt. Die Schauspieler, eine multinationale Gruppe, scheinen von einem anderen Planeten zu sein. Warum? Weil ihre Motivationen geladen sind mit einer Lebensphilosophie entfesselter neuer Energien auf der Ebene eines doppelten Gewebes: biblisch und alltäglich, sakral und profan.” Dieser Auszug aus einer Kritik der Bukarester Tageszeitung „Tricolorul” ist eine von mehreren begeisterten Besprechungen, in denen rumänische Medien über Esrigs modernes Mysterienspiel berichten. Vom Un-Bürger zum Ehrenbürger Jeder Künstler freut sich, wenn die Rezeption seine Arbeit anerkennt. In Esrigs Fall geht die Ehrerbietung…

“Warten auf Godot” – Passauer neue Presse

David Esrig über seine Begegnung mit Samuel Beckett: “Was bleibt von einem Menschen, wenn ihm nur die Existenz geblieben ist”, fragt Philosoph und Theologe Jean Onimus. Alles ist weg: Familie, Heimat, Hoffnungen, Sorgen, es gibt keine Zukunft, es gibt nichts zu tun, es gibt niemanden mehr. Was bleibt übrig, wenn man alles, außer dem nackten Dasein, verloren hat? Worte, ein letztes Gebrabbel, knapp vor der Stille? Der entfesselte Monolog der Ängste? Aber ist das, was da redet, noch ein Mensch? Dieser Abfall in einer Mülltonne, ist das noch ein Mensch? Kaum. Aber es redet. Wozu aber sich das noch anhören? Warum sollen wir, aktive Leute, beschäftigt zu leben, diesem stotternden Gemisch von Worten, Lachen, Schreien überhaupt noch zuhören? Paradoxerweise könnte das Gemurmel eines verkrüppelten Penners im Todeskampf den wesentlichen Wahrheiten…

“Troerinnen” – Süddeutsche Zeitung

Die Aufführung der “Troerinnen” überwindet die Grenze des Sagbaren. – Es gab keine Helden, kein Happy End – nur gutes Theater. Der Abschlussjahrgang der Athanor Akademie Burghausen zeigte “Die Troerinnen des Euripides” von Jean-Paul Sartre in einer Inszenierung von David Esrig in der Stadthalle. Es beginnt wie im Kino, auf einer Leinwand erscheinen der Titel des Stückes und die beiden Autoren, die 2000 Jahre trennen. Als wäre sie vom Winde verweht, flackert eine Silhouette einer Mauer im Flammenschein, unheilverkündend ist die Musik. Troja ist niedergebrannt, die Männer sind tot, die Frauen harren auf ein ungewisses, aber gewiss schreckliches Schicksal. Damit wäre die Handlung schon ausreichend geschildert. Dass trotzdem über zwei Stunden eine bisweilen fast schmerzhafte Spannung erhalten bleibt, ist dem Stück, der Inszenierung und dem Ensemble zu verdanken. Auftragsarbeit für…

“Die rumänische Passion” – Rheinpfalz

Die rumänische Passion – ein Jahr nach der Revolution … Eine Dokumentation, die alle Tugenden des Genres – sachliche Recherche, Verwendung bislang unveröffentlichten Archivmaterials, Augenzeugen-Berichte – akribisch bemüht; darüber hinaus aber bespielt Esrig, der Theaterregisseur, die gesamte Klaviatur optischer, akustischer und verbaler Dramaturgie geradezu virtuos. … Ein Film, der unpolemisch, aber enervierend, gleicherweise faszinierend und tränentreibend ist; eine Produktion, die Südwestfunk,Bayerischem Rundfunk und Rumänischem Fernsehen zur Ehre gereicht. • 27.12.1990 • Fernsehen kritisch • Virtuos • Gertie Pohlit

“Die Schule der Freier” – Landshuter Zeitung & Neue Zürcher Zeitung

Die Dialoge erzählen so frisch so lebendig die Geschichte von der hübschen Camilla, … daß man durchaus den Eindruck von Spontaneität hatte, den die damaligen Aufführungen vermittelt haben mußten. Das lag natürlich auch an Esrigs brillianter Regie.. • 05.07.1988 •  Jörg Riedlbar Ein Spektakel menschlicher Leidenschaf- ten, souverän inszeniert, mit grossem Einsatz gespielt: drei Stunden Spielzeit waren viel, aber nicht zu viel. • Neue Zürcher Zeitung

Commedia Dell`Arte – Frankfurter Rundschau –

Glaubt nicht jeder zu wissen was Commedia dell’arte ist? Und doch… Zur Verlebendigung ihres Repertoires typischer Gesten, Kostüme, Masken, Tableaus bedarf es, wo nicht der Rekonstruktion auf der Bühne, der Illustration. Die findet man nun reichlich in einem wunderschönen Band aus Grenos neuer Reihe Delphi. Herausgegeben hat sie der 1974 in die Bundesrepublik emigrierte rumänische Theatermann David Esrig… Sein Verdienst ist es, daß er die Commedia dell’arte nicht isoliert betrachtet, sondern einordnet in die (vor allem: europäische) Theatergeschichte, aber auch Bezüge herstellt etwa zur bildenden Kunst, zur Stummfilmkomödie oder zur Basler Fastnacht. Die Bilder machen plausibel und plastisch, was zahlreiche Textdokumente und knappe Kommentare in Worten umschreiben… • 08.02.1986 • Thomas Rothschild

“Nachtasyl” – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Großen Andrang verzeichnen die Aufführungen von Gorkis “Nachtasyl” in der Inszenierung von David Esrig in der Krayer Zeche Bonifacius, so dass oft an der Abendkasse Zuschauer abgewiesen werden müssen. Nach einem Besuch der Vorstellung schrieb Manfred Stieldorf, Morungenweg 28, an das Schauspiel-Ensemble: “Faszinierend, was dort Auge und Ohr geboten wurde. Die alte Zechenhalle ist eine Kulisse, die kein Theater nachgestalten kann. Sie vermittelt eine so dramatische Atmosphäre, dass man glaubt, selbst im Nachtasyl zu leben.” Er lobt die schauspielerischen Leistungen und erklärt den Darstellern: “Einfühlsam, gewaltig, zart, schüchtern, brutal, verschlagen, gierig, dumm, naiv, kindlich, wahnsinnig – alles haben Sie nicht gespielt, sondern gelebt. Sie haben alles gegeben und alles gewonnen. Es gab keine Minute, in der ich nicht gebannt den Szenen gefolgt wäre. Selten habe ich so vielfältige und großartige…

“Hamlet” – Theater Heute

… ich habe diese so tiefgeschichtete Geschichte noch nicht so sachlich und so begründet gesehen. Zehn hohe dunkel getäfelte Stellwände auf der Drehbühne wie enorme Tore bewegt, in deren untere Hälften Türen eingelassen sind, schaffen ein immer verändertes Labyrinth nie ganz gesicherter Räume, Gänge, Durchlässe, Sackgassen – David Esrig hat neben der Regie auch das Bühnenbild besorgt. • Juli 1983 •  Tilmann Hanckel

“Nachtasyl” – Nord-Anzeiger Essen

So wird Theater zum Erlebnis Minuten-langer Beifall, Bravo-Rufe und Fußtrampeln: Ein Theater-Ereignis wurde gefeiert. Ein Erlebnis, das durch den ungewöhnlichen Rahmen – die Kulisse der Waschkaue von Zeche Carl – eine große Inszenierung (David Esrig) und eine eindrucksvolle Leistung des Ensembles geprägt war: “Nachtasyl” von Maxim Gorki hatte in Altenessen Premiere. • 27.01.1983 • Jürgen Hanke

Leben und Glauben: “Theater in der Kirche” – Bern

Christopher Marlowe – ein zerrissener Mensch Einern begabten Schusterskind aus Canterbury ermöglichen reiche Gönner eine gründliche Schulbildung und das Theologie­studium in Cambridge. Aber schon während der Universitätsjahre fasziniert ihn das politische Intrigenspiel – er betätigt sich als Agent für den englischen Geheimdienst. Er tritt nie ein Pfarramt an, aber er wird durch sein Schauspiel «Tamerlan der Grosse» auf einen Schlag berühmt. Das Theater wird seine Welt – daneben aber ist er Mitglied geheimer Gesellschaften, die sich der Magie widmen. Er soll vor Gericht, weil er atheistische und blasphemische Äusserungen getan hat; dies bleibt ihm durch seinen Tod in einer Wirtshausschlägerei im Alter von nur 29 Jahren erspart. Sein Leben bleibt Fragment, doch sein grösstes Werk, das er kurz vor seinem Tode vollendet, fasst Theologie und Theater, Politik und Magie zu einer spannungsvollen…