Die Farce vom Meisteradvokaten Pathelin
Abschlussinszienung von Philipp Schneider(2005)
mit Robert Heinle, Elke Heinrich, Marina Lötschert, René Wedeward, Sebastian Rückert
Spieltermine: 15.03. - 20.03.2005
jeweils um 20.00 Uhr - am 18.03 und 19.03 zusätzlich um 15.00 Uhr
in der Aula der Akademie, Burg 27b, Burghausen
Dauer: 60 Minuten
Zum Stück:
»Meister Pierre Pathelin« handelt vom Leben und Sterben des größten Erzgauners der Welt. Der Rechtsgelehrte Pathelin versteht sich gut in Lug, Betrug und Müßiggang. Als ihn seine bodenständige Frau anklagt, er würde sich weder um Essen noch um Kleidung sorgen und sie müsste in Lumpen gehen, treibt es Pathelin hinaus auf den Markt. Dort trifft er auf eine goldgierige und geizige Tuchhänderlin - das perfekte Opfer für Pathelin. Er streicht ihr solange um den Bart, bis sie ihm Tuch auf Kredit gibt. Als sich die Händlerin im Folgenden das Tuch abholen kommen möchte, stellt sich Pathelin krank und seine Frau gibt vor, er habe wochenlang sein Bett nicht mehr verlassen. Das Verwirrspiel nimmt seinen Lauf und am Ende glaubt die Tuchhändlerin tatsächlich an einen Irrtum ihrerseits. Wenig später begegnen sich Pathelin und Tuchhändlerin durch einen Zufall bei einem Gerichtstermin und Pathelin muss alle Register ziehen, damit sein Kopf nicht in der Schlinge landet....
Zur Zeit:
Im Jahre 1436 herrscht in Paris der Ausnahmezustand. Die Engländer haben im Laufe des Hundertjährigen Krieges die Hauptstadt besetzt und müssen nun, nachdem sich Frankreich sich mit Burgund verbünden konnte, der Niederlage ins Auge blicken. Die englischen Truppen werden aus Paris vertrieben, geben jedoch die Zufahrts- und Handelsstraßen noch nicht auf. Paris gilt die nächsten 17 Jahre als gefährliches Pflaster. Erst dann wird sich Frankreich endgültig von den Besatzern befreien können. Bis dahin jedoch herrscht in Paris die Hungersnot. Armut und Gewalt regieren in den Straßen, jeder ist sich selbst der Nächste. »Man muss ein schelmischer und geschickter Mensch sein (...)« - um zu überleben.
1464 wird die Farce »Meister Pierre Pathelin« auf den Brettern der französischen Marktplätzen erstmals gespielt. Zwar ist Frankreich seit nunmehr elf Jahren frei, die dunkle Stimmung der vergangenen Epoche steckt dem Land noch tief in den Knochen - und spiegelt sich in Form von Zynismus und derbem Humor in »Meister Pierre Pathelin« wider.
Charaktere:
1) Meister Pierre Pathelin
»Ich scheiße Blut und Wasser wie der heilige Gabot!«
Pathelin, der Protagonist der Stückes, ist ein schmieriger Winkeladvokat, der seine besten Jahre längst hinter sich gelassen hat. Er hat ebenso wenig Einkommen wie Klienten und seine Frau Guillemette beklagt den Mangel an Essen und Kleidern.
Pathelin ist ein gefallener Held. Einer, der – kaum dass er Geld im Säckel hatte – nur zu gern damit gespielt und es des öfteren wohl auch verspielt hat. Trotz allem ist Pathelin ein Genius im Bereich des Betrugs - der Rabulisterei, wie Guillemette zu sagen pflegt. Er ist schnell und gewieft wie kein anderer und besitzt genügend Menschenkenntnis um fast jeden übers Ohr zu hauen.
2) Guillemette
»Denk an den Samstag, als man dich an den Pranger stellte! Bei Gott! Jeder schrie: Da steht er, der Erzgauner, der Betrüger!«
Guillemette ist bodenständig, gläubig, ehrlich und einfach gestrickt. Sie sorgt sich um die Zukunft und um ihren Ruf. Oft ist sie damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass Pathelins Tagträume nicht allzu großen Schaden anrichten. Trotz ihrer Bodenständigkeit ist sie sehr auf ihren eigen Vorteil bedacht. Von Pathelin wird sie liebevoll »Trulle« genannt.
3) Tuchhändlerin
»Nicht einmal meinem besten Freund gebe ich Kredit!«
Ein geiziges, goldgieriges Weib, das gerne eine »grosse Dame« wäre. Sie besitzt einen kleinen Tuchladen auf dem Marktplatz und eine Schafsherde inklusive angestelltem Schäfer. Ihre Gier nach Reichtum haben Sie vermögend und listig gemacht. Nach aussen hin versucht sie wie eine gönnerhafte Diva zu wirken, doch ihr rüpelhaftes Wesen platzt immer wieder durch. So auch, als sie mit Entsetzen feststellt, dass sie sowohl von Pathelin als auch von ihrem Schäfer betrogen wurde und wutschnaubend vor Gericht zieht.
4) Richter
»Zurück zu den Schafen!«
Der Richter ist ein geübter Mann in der Rechtsprechung. So weiß er jeden Fall schnell und effizient mit einem Urteil zu belegen. Sein Credo: Je schneller der Schuldige gefunden ist, desto früher kann man zu Abend essen. Im Fall Tuchhändler - Schäfer - Pathelin stösst der Richter jedoch bald an seine Grenzen und muss zusehen, wie sein Gericht im Chaos versinkt und das Abendessen in weite Ferne rückt.
5) Schäfer
»Bäh!«
Ein kleiner, armer Mann, der seinem Herrn in zehn Jahren rund dreißig Schafe weggefressen hat und nun Rechtsbeistand sucht. Der Schäfer wirkt unscheinbar, dümmlich, bemitleidenswert. Nachdem Pathelin ihm vor Gericht beigestanden ist und seine »Unschuld« durch geschickte Manipulation des Richters bewiesen hatte, wird Pathelin vom Schäfer um sein Honorar betrogen. Das kränkt Pathelin derart, dass er stirbt.
6) Pfarrer & Küster
»Er will sein Testament machen. Helfen wir ihm dabei, ohne seine Frau zu betrügen oder die nächsten Erben.«
Der Pfarrer ist ein verschlagener Bursche. Unter dem Mäntelchen der Heiligkeit »sondiert« er die Wohnung Pathelins nach Wertgegenständen, die er dann von seinem Komplizen, dem Küster heimlich einstecken lässt. Als er auf den sich gegen die Todeszeremonie sträubenden Pathelin trifft, muss er dann doch sein ganzes Können als Pfarrer einsetzen, damit die Sterbebegleitung nicht eskaliert. Der Küster hingegen ist eine »arme Kirchenmaus«, der stets auf das Amt des Pfarrers giert und jeden Krümel nimmt, der für ihn abfällt.
