CHICAGO
von Sam Shepard
JOY Es ist schön so
STU Schön. Schön so. Nicht schöner als die meisten Dinge.
JOY Sieh dir den Fisch an.
STU Das sind Barracudas, Lady. Sie fressen auch Menschen,
wenn ihnen danach ist.
JOY Mich würden sie nicht fressen.
STU Sie würden dich ohne weiteres, wie nichts fressen.
JOY Oh.
STU Wie nichts.
"Chicago" ist eines der zahlreichen Stücke, die Sam Shepard in den 1960er Jahren für den avantgardistischen Off-Off-Broadway schrieb. Auf die eigentliche Handlung verweist dieser Titel jedoch nur indirekt, denn nicht aus den Augen derer wird erzählt, die aufbrechen um ihr Glück in der Metropole zu finden - im Mittelpunkt steht Stu, der sich als Konsequenz auf die bevorstehende Abreise seiner Freundin Joy in einer Badewanne verschanzt. Von dort aus beobachtet er schemenhafte Szenen, die sich zwischen Joy und ihren auftauchenden Freunden abspielen. Man backt frische Waffeln und trinkt auf die Zukunft. Stu bleibt außen vor, und kommentiert die Ereignisse in bildhaften Monologen, die eine nihilistische (sub)marine Welt aufbauen.
Die Inszenierung sucht nach dem Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis nach selbstbestimmter Individualität, und der Notwendigkeit Teil eines großen Ganzen zu sein.
Die Außenwelt, der sich Stu verweigert, bildet sich innerhalb seines selbsterschaffenen Isolationsraumes ab, und verselbstständigt sich dort zu einem bedrohlichen Zustand, irgendwo zwischen Großstadtkulisse und Ozean.
Abschlussinszenierung von Karo Schnelle
Mit: Bayram Baudrot, Claudia Hinterecker, Janine Evertz, Tine Hagemann und Jakob Egenrieder
Premiere: 21. November 2009
weitere Termine: 22., 25., 26. und 28. November, sowie 01., 02. und 04. Dezember
jeweils um 20 Uhr
in der Aula der Akademie, Burg 27b • 84489 Burghausen
