Studienaufbau

Die Verschränkung von Ausbildung und Praxis schlägt sich im Studienaufbau nieder, der mit steigender Semesterzahl die Angleichung der Ausbildung an eine professionelle Theater- und Filmarbeit vorsieht.
Auswahl und Zusammensetzung des Lehrstoffs folgen einer Gliederung von neun Grundkategorien der dramatischen Kunst organisiert:

1. Spiel
2. Dramatischer und filmischer Raum (Bühne, Leinwand, Bildschirm)
3. Sprache
4. Körper (Haltung, Gestus, nonverbale Handlungen)
5. Rhythmus und Klang
6. Schauspiel
7. Inszenieren und Filmen
8. Theater- und Film-Ästhetik
9. Arbeitsmarktstrukturen

 

Jede der Grundkategorien vernetzt künstlerische, technische und theoretische Fächer.

Am Ursprung von Schauspiel und Regie steht der leidenschaftliche Spieler. Am Anfang der Ausbildung steht daher das SPIEL. Wie wird ein so launischer Zustand wie die Lust am Spiel verfügbar? Die Biographie der Figur, ihre Zwänge, Absichten und Taten sind Nahrung für die spielerhaltende Phantasie. Motivation, Anregbarkeit und Schärfe im Umgang mit inneren und äußeren Realitäten bilden die Spieleinstellung. Diese zu entwickeln ist Unterrichtsgegenstand nicht nur für Schauspiel, sondern auch für Regie.
Ziel ist die Technik der Lebendigkeit.
Fächer: Spieltheorie, Improvisation, Sensibilisierung, Performance, Grundlagen der Psychologie.

Der DRAMATISCHE RAUM – Bühne, Leinwand oder Bildschirm – bildet wie ein magischer Kreis den Schauplatz, in dem die Auseinandersetzungen zwischen einer Figur und ihrer Welt spürbar werden. Die Besetzung des Raumes – der Bühne einerseits, des Kamera- und Mikrophonfeldes andererseits – sind Ausbildungsthemen für die Schauspielstudierenden. Den Regiestudierenden gibt eine Einführung in Bühnen- und Studiotechnik die Mittel zur Eröffnung des Spielraumes an die Hand. Zu dessen Gestaltung und Belebung werden die künstlerisch-technischen Aspekte von Ausstattung und Maske erarbeitet. Die Geschichte der Bildenden Kunst wirkt hier als wichtige Inspirationsquelle.
Fächer: Kamera-, Mikrophon-, Bühnen-, Beleuchtungs- und Studiotechnik, Geschichte der Bildenden Kunst.

SPRECHEN auf Bühne und Leinwand heißt, mehr als bloße Information zu liefern. Atmung, Sprechweise, Sprache kennzeichnen Individualität und gesellschaftliche Stellung der dramatischen Figur; sie sind entlarvende Indizien ihres inneren Lebens. Der Unterricht in der Grundkategorie SPRACHE dient der Beherrschung des stimmlichen und sprachlichen Ausdrucks. Zu den technischen Fähigkeiten zählen Energie, Rhythmus des Atmens, Verständlichkeit und Plastizität des Sprechens. Gleichzeitig gilt es, die Sprache in ihrer poetischen Qualität zu erschließen, als dramatischer Spiegel der menschlichen Existenz.
Fächer: Atmen, Sprechen, Literaturgeschichte, Sensibilisierung, Poetik.

Der KÖRPER ist der Tatort des inneren Lebens der Figur. Aufgabe der dieser Grundkategorie “Körper” zugeordneten Fächer ist es, die physischen Voraussetzungen des körperlichen Ausdrucks zu schaffen: Ausdauer, Elastizität, Präzision, Steuerbarkeit des Körpers. Vermittelt wird aber auch die Körpersprache, die Aussage und Grammatik der Bewegungen, Gesten, Haltungen. Ziel sind Intensität und Verführungskraft des körperlichen Ausdrucks: mit dem Körper betritt nicht nur ein einzelner Charakter die Bühne, sondern eine Welt.
Fächer: Kondition, Tanz, Sensibilisierung, Biomechanik, Akrobatik, Performance, Szenischer Kampf.

RHYTHMUS UND KLANG bilden den hörbaren Ort der Emotion. Der Rhythmus von Sprache und Handlung prägt das subjektive Zeiterleben. Der Klang der Stimme verrät die Stimmungslage der Figur. Rhythmus- und Klanggefühl werden durch stimmliche, musikalische und tänzerische Sensibilisierung entwickelt. Tanz und Musik werden hier als dramatische Handlung begriffen. Zeitgenössische und historische Formen von Tanz und Musik bieten ein Repertoire stilistischer Ausdrucksmittel an, um die Präsenz einer Figur und ihrer Welt zu erfassen. Klangliche Sensibilität und rhythmische Strukturierung sind ästhetische Mittel zur Darstellung menschlicher Realität.
Fächer: Tanzgrundlagen, Singen, Musikgeschichte, Historische Tanzformen.

Die Fächergruppe SCHAUSPIELEN betrifft neben den Schauspiel- auch die Regiestudierenden, die hierin Grundkenntnisse als Bestandteil der Ausbildung zum Spielleiter erwerben. Die Mittel der vorausgehenden Grundkategorien Spiel, Körper, Sprache, Rhythmus, Klang und Dramatischer Raum finden hier ihre Anwendung. Der Unterricht umfaßt die innere Technik des Erlebens wie die Technik der äußeren Verkörperung. Erstere betrifft die Motivation der Figur, die – von Gedanken, Gefühlen, Erinnerungen, Assoziationen oder Wertungen erzeugt – eine bestimmte Handlung hervorruft. Die Technik der Verkörperung verwandelt die Physis des Darstellers in einen Seismographen des inneren Lebens der Figur und zugleich in ein ästhetisches Objekt. Im Unterricht wird der gesamte Ausdrucksbereich sensibilisiert und auf Stimmigkeit trainiert. Der Schauspielunterricht entfaltet sich von Improvisationen und kurzen Szenen bis zu den komplexesten Aufgaben des Rollenspiels. Spielaufgaben werden auf der Bühne und vor der Kamera erarbeitet. Die theoretische Reflexion der künstlerischen Tätigkeit sichert die persönliche Umsetzung und Entwicklung des Erlernten auch nach der Ausbildung. Lehrziel ist auch die Fähigkeit, ein Repertoire selbständig zu erarbeiten und auszuformen.
Fächer: Rollenunterricht, Theorie der Schauspielkunst, Ensemblearbeit, Textanalyse, Improvisation, Spielpraxis.

Der Unterricht in der Fächergruppe INSZENIEREN führt über die formale Organisation der Gestaltungselemente – das Design – hinaus zum kompetenten Umgang mit Bedeutungsstrukturen. Er zielt auf Bedingungen und Möglichkeiten einer künstlerischen Gesamtkonzeption. Zentral ist hier die Arbeit mit dem Schauspieler, seine Motivierung und verantwortliche Leitung; sie wird auch in selbständigen Proben mit den Schauspielstudierenden entwickelt. Die Gestaltungselemente der Grundkategorien Spiel, Körper, Sprache, Rhythmus und Klang und Dramatischer Raum tragen zu einer stimmigen und spannenden Inszenierung bei. Analog zur Kategorie Schauspielen führt der Lernprozeß vom Bild als der kleinsten Gestaltungseinheit hin zur Komplexität des Theater- und Filmwerkes.
Fächer: Regieunterricht (Theater und Film), Theorie der Regiekunst, Improvisation, Ensemblearbeit, Textanalyse, Spiel- und Regiepraxis, Multimedia.

Die parallele Ausbildung für Theater und Film wird in allen Unterrichtsfächern angestrebt. Der Themenkomplex ÄSTHETIK dient der theoretischen Klärung dieser Medien. Geschichtliche Hintergründe können die Eigenart der verschiedenen Ausdrucksmittel beleuchten, ihre spezifische Differenz sichtbar machen. Zur Diskussion stehen auch ästhetische Fragen nach Ort und Aufgabe der Kunst. Künstlerische Denk- und Arbeitsweisen – aus praktischer Erfahrung erwachsen – lassen sich damit prüfen und fundieren.
Die ästhetische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist kulminiert in der Stilproblematik. Stil als Organisation verschiedener Ausdrucksmittel in ein kohärentes System wird theoretisch und praktisch erarbeitet in Stilübungen, Film-, Theater- und Kunstanalysen. Ziel ist die Entwicklung eines individuellen Stils, des radikalen Ausdrucks einer eigenen Weltsicht, eines persönlichen Lebensgefühls.
Fächer: Theatergeschichte, Dramenkunde, Film- und Medientheorie, Ästhetik, Stilkunde, Symbolik.

Kenntnis der ARBEITSMARKTSTRUKTUREN ergänzt die Vorbereitung der Studierenden auf die berufliche Praxis.
Dazu gehört die Einführung in organisatorische, ökonomische und rechtliche Zusammenhänge, wie auch in Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit.
Fächer: Dramaturgie, Theater-/Filmrecht und -organisation, Praktikum.

 


 “Wie kommt es, daß auf dem Theater, wie wir es in Europa oder besser im Abendland kennen, all das, was spezifisch dem Theater eignet, das heißt all das, was nicht dem Ausdruck durch das Wort, durch die Wörter Unterworfen ist oder, wenn man so will, was nicht dem Dialog angehört… , in den Hintergrund gedrängt wird?
Wie kommt es überdies, daß das abendländische Theater (ich sage abendländisch, weil es zum Glück andere Formen des Theaters gibt, wie das orientalische, welche die Idee des Theaters rein erhalten haben, während sich im Abendland diese Idee – wie alles andre auch – prostituiert hat), wie kommt es, daß das abendländische Theater das Theater mir unter dem Aspekt des dialogisierten Theaters sieht?…
Ich sage, daß die Bühne ein körperlicher, konkreter Ort ist, der danach verlangt, daß man ihn ausfüllt und daß man ihn seine konkrete Sprache sprechen läßt… Diese für die Sinne bestimmte Sprache soll sich von vornherein damit beschäftigen, sie zufriedenstellen… sind dies ermöglicht die Ersetzung der Poesie der Sprache durch eine Poesie im Raum, die genau im Bereich dessen aufgehen wird, was nicht im strengen Sinne zu den Wörtern gehört.”

Antonin Artaud, Das Theater und sein Double


Die Erweiterung der Sprache der Bühne mit den sogenannten multimedialen technischen und ästhetischen Ausdrucksmitteln kann uns einen großen Schritt näher zu dieser Poesie der dramatischen Kunst, deren Verlust in der modernen Zivilisation von Artaud so heftig angemahnt wurde.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die Athanor Akademie durchgehend mit multimedialen Aufführungen, von den einfachsten Videoeinspielungen bis zu komplexen Live-Video-Aufführungsszenarien. Hierfür, wie natürlich auch für das Filmstudium, stehen in der Akademie AVID- und Final-Cut-Pro-Bildschnittplätze sowie Nuendo-Tonschnittplätze zur Verfügung.

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